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REFERENZ

IP-Schutzarten: Vollständige Referenz IP00–IP69K

Alexander Olenberger Alexander Olenberger |8. Mai 2026 |7 Min. Lesezeit |
Zuletzt geprüft: 8. Mai 2026 durch Alexander Olenberger

Aufbau des IP-Codes nach DIN EN 60529

Der IP-Code (Ingress Protection) ist in der internationalen Norm IEC 60529, in Deutschland als DIN EN 60529 umgesetzt, definiert. Er beschreibt, wie gut ein elektrisches Gehäuse gegen das Eindringen von Fremdkörpern, Staub und Wasser geschützt ist. Der Code folgt dem Schema:

IP  XX  [A/B/C/D]  [H/M/S/W]
Element Bedeutung Bereich
1. Ziffer Schutz gegen feste Fremdkörper und Staub 0 – 6
2. Ziffer Schutz gegen Wasser 0 – 9 (+ K)
Buchstabe (opt.) Personenschutz: A = Handrücken, B = Finger, C = Werkzeug, D = Draht A / B / C / D
Zusatzbuchstabe (opt.) Sonderbedingungen: H = Hochspannung, M = Prüfung bei Bewegung, S = Prüfung im Stillstand, W = Wetterschutz H / M / S / W

1. Ziffer: Feststoffschutz (0–6)

Ziffer Schutzgrad gegen Fremdkörper / Staub
0Kein Schutz
1Schutz gegen feste Körper > 50 mm (z. B. Handrücken)
2Schutz gegen feste Körper > 12 mm (z. B. Finger)
3Schutz gegen feste Körper > 2,5 mm (Werkzeuge, Drähte)
4Schutz gegen feste Körper > 1 mm (dünne Drähte)
5Staubgeschützt — kein schädlicher Staubeintritt (nicht vollständig dicht)
6Staubdicht — keinerlei Staub dringt ein (vollständig dicht)

2. Ziffer: Wasserschutz (0–9K)

Ziffer Schutzgrad gegen Wasser
0Kein Schutz
1Tropfwasser senkrecht (1 mm/min für 10 min)
2Tropfwasser bis 15° Neigung
3Sprühwasser bis 60° von der Senkrechten
4Spritzwasser aus beliebiger Richtung
5Strahlwasser (Düse ø 6,3 mm) aus beliebiger Richtung
6Starkes Strahlwasser (Düse ø 12,5 mm) aus beliebiger Richtung
7Kurzzeitiges Untertauchen (1 m Tiefe, 30 min)
8Dauerhaftes Untertauchen (Bedingungen vom Hersteller definiert)
9KHochdruck-Dampfstrahlreinigung (DIN 40050-9): 80–100 bar, 80°C, 14–16 l/min

Key Takeaway: IP54 = Erste Ziffer 5 (staubgeschützt, nicht vollständig dicht) + Zweite Ziffer 4 (Spritzwasser aus beliebiger Richtung). IP65 = Staubdicht + Strahlwasser. Jede höhere Ziffer schließt die Anforderungen der niedrigeren Stufen ein.

Referenztabelle IP00–IP69K

Alle relevanten IP-Kombinationen auf einen Blick. Die Tabelle ist filterbar und nach jeder Spalte sortierbar.

IP-Code Feststoffschutz Wasserschutz Typische Anwendung
IP00Kein SchutzKein SchutzOffene Transformatoren, Prüflabor
IP10Schutz gegen Körper > 50 mmKein SchutzRaumheizgeräte (nach oben offen)
IP11Schutz gegen Körper > 50 mmTropfwasser senkrechtEinfache Haushaltsmotoren
IP12Schutz gegen Körper > 50 mmTropfwasser bis 15° NeigungHaushaltsgeräte, Beleuchtung
IP13Schutz gegen Körper > 50 mmSprühwasser bis 60°Elektrowerkzeuge, Handgeräte
IP20Schutz gegen Finger (> 12 mm)Kein SchutzSchaltschrank-Innenkomponenten
IP21Schutz gegen FingerTropfwasser senkrechtBürogeräte, Haushaltselektronik
IP22Schutz gegen FingerTropfwasser bis 15° NeigungInnenanlagen mit leichter Feuchte
IP23Schutz gegen FingerSprühwasser bis 60°Überdachte Außenbereiche
IP24Schutz gegen FingerSpritzwasser aus beliebiger RichtungEinfache Waschanlagen
IP30Schutz gegen Werkzeug (> 2,5 mm)Kein SchutzSteuergeräte in trockenen Innenräumen
IP40Schutz gegen Drähte (> 1 mm)Kein SchutzInnengeräte ohne Wasserkontakt
IP41Schutz gegen DrähteTropfwasser senkrechtDeckenleuchten, Ventilatoren innen
IP42Schutz gegen DrähteTropfwasser bis 15° NeigungElektromotoren für trockene Innenanlagen
IP43Schutz gegen DrähteSprühwasser bis 60°Motoren überdacht außen
IP44Schutz gegen DrähteSpritzwasser aus beliebiger RichtungKompressoren, Maschinen-Innenraum
IP50StaubgeschütztKein SchutzGeräte ohne Wasserkontakt in staubiger Umgebung
IP54StaubgeschütztSpritzwasser aus beliebiger RichtungStandard-Industriemotoren (TEFC)
IP55StaubgeschütztStrahlwasser aus beliebiger RichtungAußenaufstellung, überdachte Außenbereiche
IP56StaubgeschütztStarkes Strahlwasser aus beliebiger RichtungSchiffsdecks, Waschbereiche (leicht)
IP57StaubgeschütztKurzzeitiges Untertauchen (1 m / 30 min)Landmaschinen, Baumaschinen
IP65Staubdicht (vollständig)Strahlwasser aus beliebiger RichtungLebensmittelindustrie, Wash-Down
IP66StaubdichtStarkes Strahlwasser aus beliebiger RichtungSchwermaschinenbau außen, Offshore
IP67StaubdichtUntertauchen bis 1 m / 30 minTiefkühlbereiche, Nassräume, Bergbau
IP68StaubdichtDauerhaftes Untertauchen (Hersteller-Angabe)Tauchpumpen, Unterwasser-Aktuatoren
IP69StaubdichtHochdruck-Heißwasser (allgemein)Schwere Industriereinigung
IP69KStaubdichtHochdruck-Dampfstrahl (DIN 40050-9)Lebensmittel- und Pharmaindustrie (CIP/SIP)

Fett hervorgehobene IP-Klassen sind in der Antriebstechnik besonders verbreitet.

Häufige Schutzarten in der Antriebstechnik im Detail

Für Elektromotoren, Getriebe und Aktuatoren in industriellen Anwendungen sind fünf IP-Klassen besonders relevant. Hier die wichtigsten Details für Ihre Auslegungsentscheidung.

IP54 — Standard-Industriemotoren

IP54 ist die meistverbreitete Schutzklasse bei geschlossenen Industriemotoren (TEFC — Totally Enclosed Fan-Cooled) nach IEC 60034-5. Die erste Ziffer 5 bedeutet staubgeschützt: Staub kann zwar eindringen, aber nicht in schädlichen Mengen. Die zweite Ziffer 4 (Spritzwasser) erlaubt Einsatz in trockenen bis leicht feuchten Fertigungshallen.

Typisch für: Standard-Fördertechnik, Lüfter, Pumpen in trockenen Hallen, Werkzeugmaschinen (ohne Kühlmittelkontakt).

IP55 — Außenaufstellung

IP55 unterscheidet sich von IP54 allein in der zweiten Ziffer: 5 (Strahlwasser) statt 4 (Spritzwasser). Der Staubschutz ist identisch. Der Unterschied ist in der Praxis relevant bei gelegentlichem Reinigen mit dem Wasserschlauch oder bei Betrieb im Freien mit direktem Regeneinfall.

Typisch für: Außenaufstellung auf Dächern oder im Freien, Kühltürme, überdachte Außenlager, Abwasserbehandlung.

IP65 — Staubdicht + Strahlwasser (Wash-Down)

IP65 bietet vollständigen Staubschutz (Ziffer 6) und Schutz gegen Strahlwasser (Ziffer 5). Dies ist die Mindestanforderung für Antriebe in der Lebensmittelverarbeitung, wo regelmäßige Reinigung mit dem Wasserschlauch oder Niederdrucksprühgeräten erfolgt. Entscheidend: Das Gehäuse muss vollständig geschlossen sein — keine Lüftungsschlitze, keine offenen Kabeldurchführungen.

Typisch für: Lebensmittelverarbeitung, Getränkeabfüllung, Pharmaanlagen, Chemische Industrie (Reinigungsbereiche).

IP66 / IP67 — Starkes Strahlwasser und kurzzeitiges Eintauchen

IP66 schützt gegen starkes Strahlwasser (größere Düse, höherer Druck als IP65). IP67 schützt darüber hinaus gegen kurzzeitiges Untertauchen bis 1 m Tiefe für 30 Minuten. In der Praxis wählen viele Planer IP67 für Anwendungen, bei denen gelegentlich Überflutung durch Reinigungswasser oder Produktionsfeuchtigkeit auftreten kann — auch wenn kein reguläres Eintauchen geplant ist.

Typisch für: Tiefkühlbereiche (Kondensation + Tauwasser), Bergbau, Seeschifffahrt, Drucksprühanlagen, Großküchen.

IP69K — Hochdruck-Dampfstrahlreinigung (DIN 40050-9)

IP69K ist die härteste Standardschutzklasse und basiert auf der Norm DIN 40050-9. Prüfbedingungen: 80–100 bar Wasserdruck, 80°C Wassertemperatur, 14–16 l/min Durchfluss, Düsenabstand 10–15 cm, 30 Sekunden pro Seite. Diese Bedingungen entstehen bei industriellen Hochdruckreinigern und CIP-Systemen (Cleaning-in-Place).

Wichtig: Ein IP69K-Motor erfordert spezielle Wellendichtringe (doppelt-wirkende RWDR, PTFE-Lippe), druck- und temperaturbeständige Dichtwerkstoffe sowie spaltfreie Gehäusegeometrie. Nicht jeder IP65-Motor kann durch einfache Zusatzmaßnahmen auf IP69K aufgerüstet werden.

Typisch für: Schlachthöfe, Molkereien, Brauereien, Pharmafertigung, CIP-Anlagen, Großküchen mit täglicher Hochdruckreinigung.

IP vs. NEMA Type: Vergleichstabelle

In Nordamerika wird das NEMA-System (National Electrical Manufacturers Association) verwendet. Die folgende Tabelle zeigt Näherungsäquivalente zwischen NEMA Type und IP-Klasse.

NEMA Type IP-Äquivalent (ca.) Einsatzbereich
NEMA 1IP10Innen, allgemeiner Basisschutz
NEMA 3IP54Außen, Wetter- und Staubschutz
NEMA 3RIP14Außen, Regenschutz ohne Staubschutz
NEMA 4IP56Innen/Außen, Strahlwasser
NEMA 4XIP56 + KorrosionsschutzWie NEMA 4 + Edelstahl oder GFK, für aggressive Medien
NEMA 6IP67Kurzzeitiges Eintauchen
NEMA 6PIP68Dauerhaftes Eintauchen
NEMA 12IP54Innen, Schutz gegen Staub und Öltropfen
NEMA 13IP54Innen, Öl- und Staubschutz, Sprühwasser

Hinweis: NEMA ≠ IEC. Die Äquivalenzen sind technische Näherungswerte — keine normativen Eins-zu-eins-Entsprechungen. NEMA-Typen und IP-Klassen unterscheiden sich in Prüfmethoden, Prüfbedingungen und Anforderungstiefe. Für internationale Projekte immer beide Normen separat prüfen.

Praxis-Auswahlhilfe: Branche → empfohlene IP-Klasse

Die folgende Matrix gibt Empfehlungen für Mindest-IP-Klassen nach Branche und Umgebungsbedingungen. Die tatsächlich erforderliche Klasse hängt von der konkreten Einbausituation, dem Reinigungsregime und normativen Anforderungen des jeweiligen Sectors ab.

Branche / Umgebung Mindest-IP Hinweis
Maschinenbau, trockene Fertigungshalle IP54 Standard TEFC-Motor ausreichend
Außenaufstellung allgemein IP55 Wetterschutz + Korrosionsschutz-Beschichtung
Lebensmittelverarbeitung (Wash-Down) IP65 Staubdicht, kein Spritzwasser im Gehäuse
Hochdruckreinigung / CIP / SIP IP69K DIN 40050-9 explizit vorschreiben
Pharma / Reinraum IP65 Zusätzlich Hygienic Design beachten (EHEDG)
Werkzeugmaschine mit Kühlmittel IP65–IP67 Kühlmitteldruck und -chemie beachten
Bergbau / Untertagebau IP67 Zusätzlich Ex-Schutz ATEX/IECEx prüfen
Schiffs- / Offshore-Anwendung IP56–IP67 Salzwasserkorrosion: Edelstahl / Sonderbeschichtung

Häufige Fehler und Missverständnisse

Fehler 1: IP-Klasse ≠ Schutz der Lager und Wellendichtringe

Die IP-Klasse beschreibt den Schutz des Motorgehäuses — nicht den der Lager oder Wellendichtringe. Ein IP65-Motor kann trotzdem Öl aus dem Wellenausgang austreten lassen, wenn der Radialwellendichtring (RWDR) für die vorliegenden Bedingungen (Drehzahl, Temperatur, Medium) nicht geeignet ist. Lager und Wellendichtung müssen immer separat spezifiziert werden.

Fehler 2: IP65 statt IP69K bei Hochdruckreinigung

Ein häufiger und teurer Fehler: IP65-Motoren werden in Anlagen eingebaut, in denen täglich Hochdruckreiniger (80+ bar) eingesetzt werden. Standard-IP65-Motoren sind für Niederdruck-Strahlwasser (≤ 30 bar) ausgelegt. Unter Hochdruckbedingungen können Dichtungen versagen, Wasser eindringen und Wicklungsschäden entstehen. IP69K immer explizit ausschreiben — nicht als Unterposition von IP65 betrachten.

Fehler 3: IP-Klasse und Hygienic Design gleichsetzen

Ein IP69K-Motor aus verzinktem Stahlguss mit Schmiernippeln und Kühlrippen ist für die Lebensmittelindustrie ungeeignet — ungeachtet seiner IP-Klasse. Hygienic Design erfordert zusätzlich: glatte, spaltfreie Außenflächen (keine Keimverstecke), korrosionsbeständige Materialien (Edelstahl 304/316L, FDA-konforme Polymere), lebensmitteltaugliche NSF-H1-Schmierstoffe und Selbstentleerung. IP-Klasse und Hygienic Design sind orthogonale Anforderungen.

Fehler 4: Kabeleinführungen als schwächstes Glied

Ein IP67-Motor mit einer IP54-Kabelverschraubung am Anschlusskasten hat effektiv nur IP54. Das Gesamtsystem ist so dicht wie sein schwächstes Glied. Achten Sie darauf, dass Kabelverschraubungen, Steckverbinder, Blindstopfen und Leerrohrverschlüsse mindestens die gleiche IP-Klasse wie das Motorgehäuse haben — im Zweifelsfall eine Klasse höher, da mechanische Belastung durch Vibration und Temperaturwechsel die Dichtwirkung im Betrieb verringern kann.

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Häufig gestellte Fragen zu IP-Schutzklassen

IP54 setzt sich aus zwei Ziffern zusammen: Die erste Ziffer (5) steht für Staubgeschützt — Staub kann nicht in schädlichen Mengen eindringen, ist aber nicht vollständig ausgeschlossen. Die zweite Ziffer (4) bedeutet Schutz gegen Spritzwasser aus beliebiger Richtung. IP54 ist der verbreitetste Standard für geschlossene Industriemotoren (TEFC) in trockenen bis leicht feuchten Fertigungsumgebungen.

Beide Klassen bieten vollständigen Staubschutz (erste Ziffer 6 = staubdicht). Der Unterschied liegt im Wasserschutz: IP65 schützt gegen Strahlwasser aus jeder Richtung (Niederdruck). IP67 schützt zusätzlich gegen kurzzeitiges Untertauchen bis 1 m Tiefe für 30 Minuten. IP67 ist daher für Waschbereiche mit gelegentlicher Überflutung geeignet, während IP65 für reguläre Wash-Down-Anwendungen in der Lebensmittelindustrie ausreicht.

Das K in IP69K verweist auf die deutsche Norm DIN 40050-9, die speziell für Hochdruck-Dampfstrahlreinigung von Straßenfahrzeugen entwickelt wurde und seither auf Industriemaschinen übertragen wird. Die Prüfbedingungen sind: Wasserdruck 80–100 bar, Wassertemperatur 80°C, Durchfluss 14–16 l/min, Düsenabstand 10–15 cm, Prüfdauer je Seite 30 Sekunden. Diese Bedingungen gehen weit über die Anforderungen von IP69 (ohne K) hinaus.

Die IP-Klasse bezieht sich auf das Motorgehäuse als Ganzes. Sie sagt jedoch nichts über die Dichtheit der Wälzlager, Wellendichtringe oder Kabeleinführungen aus — diese müssen separat ausgewählt und spezifiziert werden. Ein Motor mit IP65 kann trotzdem Öl aus der Lagerstelle austreten lassen, wenn der Radialwellendichtring (RWDR) nicht für die Betriebsbedingungen geeignet ist.

Nein — IP67 ist nur für kurzzeitiges Eintauchen bis 1 m / 30 Minuten geprüft. Für Dauerbetrieb unter Wasser ist IP68 erforderlich, dessen genaue Bedingungen (Tiefe, Dauer) der Hersteller im Datenblatt festlegt. Tauchpumpen und Unterwasser-Aktuatoren benötigen in der Regel IP68 mit herstellerspezifischer Tiefenangabe (z. B. 10 m Dauerbetrieb).

Für allgemeine Lebensmittelverarbeitung mit Wasserreinigung ist IP65 die Mindestanforderung. Bei Hochdruckreinigung (CIP/SIP) oder Dampfstrahlreinigung ist IP69K Pflicht. Beachten Sie: Die IP-Klasse allein reicht nicht — Hygienic-Design-Anforderungen (glatte Oberflächen, keine Toträume, lebensmitteltaugliche Schmierstoffe, Edelstahlgehäuse) kommen hinzu. Normen wie EHEDG, NSF/ANSI 3A und EC 1935/2004 regeln weitere Details.

Die IP-Klasse beschreibt ausschließlich den Schutz des Geräteinneren gegen das Eindringen von Staub und Wasser. Hygienic Design ist ein umfassenderes Konzept und umfasst: glatte, spaltfreie Außenflächen (keine Keimverstecke), korrosionsbeständige Materialien (Edelstahl 304/316L), lebensmitteltaugliche NSF-H1-Schmiermittel, Selbstentleerung (keine Wasseransammlungen), Druckausgleichsventile ohne Kontaminationsrisiko. Ein IP69K-Motor aus verzinktem Stahlguss erfüllt nicht die Hygienic-Design-Anforderungen.

Ja — das Gesamtsystem ist nur so dicht wie sein schwächstes Glied. Eine IP65-Kabelverschraubung am Anschlusskasten eines IP67-Motors untergräbt die Gesamtschutzklasse. Achten Sie darauf, dass Kabelverschraubungen, Steckverbinder und Leerrohrverschlüsse mindestens die gleiche IP-Klasse wie das Motorgehäuse aufweisen. Im Zweifelsfall eine Klasse höher wählen, da Kabelverschraubungen im Betrieb durch Vibration und Temperaturwechsel an Dichtwirkung verlieren können.

TEFC steht für Totally Enclosed Fan-Cooled. Standard-TEFC-Motoren nach IEC 60034-5 werden typischerweise als IP54 oder IP55 geliefert. IP54 ist die häufigste Angabe bei europäischen Motorherstellern (z. B. Siemens, ABB, WEG), während nordamerikanische Hersteller oft IP55 als Standard nennen. Beide Varianten sind für geschlossene Industrieumgebungen geeignet; IP55 bietet geringfügig besseren Strahlwasserschutz und ist für Außenaufstellung vorzuziehen.

Die optionalen Zusatzbuchstaben A–D nach der zweiten Ziffer beschreiben den Schutz von Personen gegen Zugang zu gefährlichen Teilen: A = Schutz mit dem Handrücken (>50 mm), B = Schutz mit dem Finger (>12 mm), C = Schutz mit einem Werkzeug (>2,5 mm), D = Schutz mit einem Draht (>1 mm). Diese Buchstaben werden angegeben, wenn der Personenschutz höher ist als der durch die erste Ziffer angegebene Gehäuseschutz — z. B. IP1XB bedeutet: Schutz gegen >50 mm Körper, aber Berührungsschutz für Finger.

IP54 schützt gegen Spritzwasser (zweite Ziffer 4), nicht gegen anhaltenden Strahlwasseraufprall. Bei Außenmontage können Druckwäsche, Starkregen oder Sprühwasser aus Kühlsystemen die zulässigen Grenzen überschreiten. Außerdem berücksichtigt IP54 keine UV-Beständigkeit, Korrosionsschutz (Salzluft, industrielle Atmosphären) oder Kondensationsneigung durch Temperaturwechsel. Für Außenanlagen wird IP55 (besserer Strahlwasserschutz) und zusätzlich eine Beschichtung für Korrosionsschutz empfohlen.

Alexander Olenberger

Über den Autor

Alexander Olenberger

Senior Application Engineer · Technische Antriebselemente GmbH

Alexander Olenberger begleitet als Anwendungsingenieur bei TEA Hamburg anspruchsvolle Antriebsprojekte von der Auslegung bis zur Inbetriebnahme. Sein Schwerpunkt liegt auf der technischen Beratung zu Schutzklassen, Motorauswahl und systemischer Integration in Lebensmittel-, Pharma- und Schwermaschinenanwendungen.

Geprüft am 8. Mai 2026
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