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Schmiertechnik-Ratgeber: Schmierstoffe, Intervalle, Lebensdauer | TEA

Schmiertechnik: Warum Schmierung über Lebensdauer entscheidet

Über 50 % aller Wälzlagerschäden sind auf Schmierungsfehler zurückzuführen — falscher Schmierstoff, unzureichende Menge oder überschrittene Intervalle. Richtige Schmierung verlängert die Maschinenlebensdauer und reduziert Wartungskosten erheblich.

Schnellorientierung

Fettgeschmiert für kompakte Einheiten → NLGI 2–3 Universalfett. Getriebeölbefüllung → ISO VG 220–460. Hochtemperaturbereich (> 120 °C) → Synthetische Schmierstoffe.

Schmierfett oder Schmieröl?

Schmierfette

Fette bestehen aus Grundöl, Verdicker (Lithium, Kalzium, Polyurea) und Additiven. Vorteile: einfache Handhabung, Dichtfunktion, kein Auslaufen. Einsatz in Wälzlagern, Linearführungen und abgeschlossenen Getriebeeinheiten. Konsistenzklasse NLGI 2 deckt den Großteil industrieller Anwendungen ab.

Schmieröle

Öle kühlen besser als Fette und eignen sich für Umlaufschmierungen, hohe Drehzahlen und Tauchschmierungen in offenen Getriebegehäusen. Viskositätswahl nach ISO VG: niedriger VG-Wert für hohe Drehzahlen, höherer VG-Wert für langsam laufende Hochlastgetriebe.

Merkmal Schmierfett Schmieröl
Kühlung Gering Gut
Dichtigkeit Selbstdichtend Dichtung erforderlich
Nachschmierung Periodisch Wechsel oder Umlauf
Typische Anwendung Wälzlager, Linearführungen Getriebe, Hochdrehzahlanwendungen

Wälzlagerlebensdauer: L10-Grundlagen

L10-Lebensdauer (nominell)

L10 = (C / P)^p × 10⁶ / (60 × n)
(L10 in Stunden, C = dyn. Tragzahl [N], P = äquivalente Last [N], n = Drehzahl [min⁻¹], p = 3 für Kugellager, 10/3 für Rollenlager)

Die nominelle Lebensdauer L10 gibt die Betriebsdauer in Stunden an, die 90 % einer Lagerreihe unter gleichen Bedingungen überschreiten. Für modifizierte Lebensdauer (L10mh) nach ISO 281 werden Zuverlässigkeitsfaktor, Systemparameter und Schmierverhältnis berücksichtigt.

Schmierungsintervalle: Einflussfaktoren

  • Betriebstemperatur: Jede 15 °C-Erhöhung über 70 °C halbiert die Fettstanzeit
  • Drehzahl: Hohe Drehzahlen erfordern häufigere Nachschmierung oder Ölumlaufschmierung
  • Vibration: Vibrationsbeanspruchung beschleunigt Schmierstoffabbau
  • Kontamination: Feuchte, Schmutz oder aggressive Medien → verkürzte Intervalle

Überschmierung vermeiden

Zu viel Fett erhöht den Laufwiderstand und die Betriebstemperatur — das beschleunigt Alterung und kann zur Leckage führen. Halten Sie sich an die Herstellerangaben zur Nachschmiermenge.

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Alexander Olenberger

Über den Autor

Alexander Olenberger

Senior Application Engineer · Technische Antriebselemente GmbH

Alexander Olenberger berät Konstrukteure bei der Auswahl von Schmierstoffen, Wartungsintervallen und der Verlängerung der Lagerlebensdauer.

Geprüft am 5. März 2026
+49 40 538892111 sales@tea-hamburg.de