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ISO-Passungen H7/H6: Toleranztabellen & Auswahlhilfe

Thomas Albrecht Thomas Albrecht |8. Mai 2026 |7 Min. Lesezeit |
Zuletzt geprüft: 8. Mai 2026 durch Thomas Albrecht

Bevor ISO 286 existierte, arbeiteten Hersteller verschiedener Länder nach nationalen Toleranznormen, die sich in Zahlenwerten, Buchstabenbezeichnungen und Grundphilosophie unterschieden. ISO 286, in Deutschland als DIN ISO 286 übernommen, schuf eine einheitliche Sprache: Dieselbe Angabe – etwa H7/k6 – bedeutet weltweit dasselbe Maßverhältnis.

Die aktuelle Ausgabe ISO 286-1:2010 definiert das gesamte Toleranzsystem für lineare Maße bis 3150 mm. Teil 2 enthält die Normtoleranzen und Grundabmaße in tabellarischer Form. Dieser Leitfaden liefert die numerischen Werte: Welche IT-Toleranz ergibt welches Maß, welche Passung gehört zu welcher Anwendung? Konzeptionelle Grundlagen (Passungstypen, Montagehinweise) sind im Begleitartikel Wellen und Lager: Passungen verstehen erklärt.

Kurzfassung: H7/k6 ist die Standard-Übergangspassung für Wälzlager-Innenringe bei normaler Last. H7/g6 ist die typische Spielpassung für Gleitlager. H7/s6 steht für feste Presspassungen (thermisches Fügen). Die genauen µm-Werte für Ihre Baugröße finden Sie in den Tabellen unten.

Grundlagen ISO 286: Vier Schlüsselbegriffe

Das System ISO 286 basiert auf vier Begriffen, die aufeinander aufbauen:

  • Nennmaß: Das theoretisch exakte Maß aus der Zeichnung, z. B. ⌀50 mm. Es ist der Bezugspunkt für alle Abmaße, nicht das tatsächlich gefertigte Maß.
  • Grundabmaß (fundamental deviation): Legt die Lage des Toleranzfeldes zur Nulllinie fest – ob das Maß über oder unter dem Nennmaß beginnt. Es wird durch den Buchstaben bestimmt.
  • Toleranzklasse (IT-Grad): Beschreibt die Breite des zulässigen Maßbereichs. IT1 ist extrem eng (Präzisionsmesstechnik), IT18 sehr weit (Rohgussmaße). Die Zahl im Kurzzeichen bestimmt den IT-Grad.
  • Toleranzfeld: Die Kombination aus Grundabmaß und IT-Grad. Es ist die Zone zwischen dem größten und kleinsten zulässigen Maß.

Das Kurzzeichen trennt Bohrung und Welle eindeutig: Großbuchstabe = Bohrung (Innenmaß, A–ZC), Kleinbuchstabe = Welle (Außenmaß, a–zc). Die Angabe H7/k6 bedeutet: Bohrung mit Toleranzfeld H, IT-Grad 7; Welle mit Toleranzfeld k, IT-Grad 6.

Buchstaben A bis G (Bohrungen) / a bis g (Wellen): Grundabmaß auf der Minus-Seite der Nulllinie → erzeugen Spiel. Buchstabe H: Unteres Abmaß genau auf der Nulllinie (EI = 0) → Einheitsbohrung. Buchstaben K bis ZC / k bis zc: Grundabmaß auf der Plus-Seite → erzeugen Übermaß.

Grundtoleranzen IT01–IT18

Die Tabelle zeigt die Grundtoleranz-Werte in Mikrometern (µm) nach ISO 286-1:2010 für vier Nennmaßbereiche. ⌀10 = Bereich >6–10 mm, ⌀30 = >18–30 mm, ⌀50 = >30–50 mm, ⌀100 = >80–120 mm.

IT-Grad Typischer Einsatz ⌀10 ⌀30 ⌀50 ⌀100
IT01Endmaße, Lehren höchster Güte0,40,60,61
IT0Endmaße, Präzisionslehren0,6111,5
IT1Präzisionslehren11,51,52,5
IT2Feinste Passungen1,52,52,54
IT3Feine Passungen2,5446
IT4Feinpassungen (z. B. Wälzlager P5)46710
IT5Präzise Passungen, Wälzlager (k5, m5)691115
IT6Passungen im Maschinenbau Normal (k6)9131622
IT7Standardpassungen, H7-Bohrung15212535
IT8Grobe Passungen, H8-Bohrung22333954
IT9Allgemeine Passungen, h9-Wellen36526287
IT10Grobe Toleranzen5884100140
IT11H11-Bohrungen, grobe Passungen90130160220
IT12Presspassungen grob150210250350
IT13Blechteile, Stanzteile220330390540
IT14Allgemeintoleranzen grob360520620870
IT15Freimaßtoleranzen5808401 0001 400
IT16Freimaßtoleranzen weit9001 3001 6002 200
IT17Rohguss, Schmiedeteile1 5002 1002 5003 500
IT18Rohguss, weiteste Toleranz2 2003 3003 9005 400

Alle Werte in µm. Fett markiert: IT5–IT7, die für Passungsanwendungen im Maschinenbau am relevantesten sind.

Einheitsbohrung (H) vs. Einheitswelle (h)

ISO 286 kennt zwei Systemansätze: Das Einheitsbohrungssystem hält die Bohrungstoleranz konstant (immer H) und variiert die Wellentoleranzen (g6, h6, k6, p6 …). Das Einheitswellensystem hält die Wellentoleranz konstant (immer h) und variiert die Bohrungstoleranzen (F7, H7, K7, P7 …).

In der Praxis dominiert das Einheitsbohrungssystem: Standardbohrwerkzeuge (Bohrer, Reibahlen) liefern automatisch eine H-Toleranz. Eine einzige Reibahle für H7⌀30 deckt alle Passungstypen ab – von der Spielpassung mit g6 bis zur Presspassung mit s6 – weil die Anpassung ausschließlich an der Welle durch Drehen oder Schleifen erfolgt.

Das Einheitswellensystem empfiehlt sich, wenn eine Welle unverändert aus dem Handel kommt (z. B. gezogener Rundstahl h11) und mehrere Passungspartner (Lager, Riemenscheibe, Zahnrad) verschiedene Passungstypen erfordern. Dann variiert man mit unterschiedlichen Bohrungstoleranzen, ohne die Welle zu ändern.

Passungsarten

Spielpassung

Das Toleranzfeld der Bohrung liegt vollständig über dem der Welle – es entsteht immer positives Spiel. Typische Paarungen: H7/g6 (Gleitlager, Führungsbolzen), H7/f7 (laufende Welle im Öllager), H8/f7 (locker laufende Nabe). Das Spiel ermöglicht relative Bewegung; ausreichend Schmierung ist Voraussetzung.

Übergangspassung

Die Toleranzfelder überlappen. Je nach tatsächlichem Einzelmaß entsteht entweder geringes Spiel oder geringes Übermaß. Typische Paarungen: H7/k6 (Zahnrad, Wälzlager-Innenring normal), H7/m6 (Kupplungsnabe), H7/n6 (Stiftverbindung). Übergangspassungen werden stets mit Passfeder oder Stift kombiniert, da der Kraftschluss allein nicht ausreicht.

Presspassung

Das Toleranzfeld der Welle liegt vollständig über dem der Bohrung – es entsteht immer Übermaß und damit kraftschlüssige Verbindung. Typische Paarungen: H7/p6 (Lager-Innenring bei rotierender Last, leichte Presspassung), H7/r6 (Buchse fester Sitz, mittleres Übermaß), H7/s6 (Nabe fest, großes Übermaß – oft thermisches Fügen notwendig). Presspassungen übertragen Drehmoment ohne zusätzliche Formelemente.

Top-15 Standardpassungen: Spiel und Übermaß in µm

Alle Passungen im Einheitsbohrungssystem. Format: Minimum … Maximum in µm. Positiv = Spiel (Bohrung > Welle), negativ = Übermaß (Welle > Bohrung).

¹ H7/p6 bei ⌀10: Maximum +2 µm Spiel möglich – normgerecht, in der Konstruktion als Presspassung auszulegen.

Passung Typ ⌀10 ⌀30 ⌀50 ⌀100 Typische Anwendung
H7/g6Spiel+5 … +29+7 … +41+9 … +50+12 … +69Gleitlager, Führungsbolzen
H7/h6Spiel0 … +240 … +340 … +410 … +57Einheitswelle, Passfeder-Nabe lösbar
H7/f7Spiel+13 … +43+20 … +62+25 … +75+36 … +106Laufende Passung, Öllager
H8/f7Spiel+13 … +50+20 … +74+25 … +89+36 … +125Locker laufende Welle
H8/h9Spiel0 … +580 … +850 … +1010 … +141Lose Normpassung, Abstandshülse
H9/h9Spiel0 … +720 … +1040 … +1240 … +174Grobe Passung, Abdeckungen
H11/h11Spiel0 … +1800 … +2600 … +3200 … +440Sehr grobe Montagepassung
H7/js6Übergang−5 … +19−7 … +27−8 … +33−11 … +46Leicht lösbare Nabe, symm. Übergang
H6/k5Übergang−7 … +8−11 … +11−13 … +14−18 … +19Wälzlager Präzision (P5)
H7/k6Übergang−10 … +14−15 … +19−18 … +23−25 … +32Zahnrad, Wälzlager Normal (Standard)
H7/m6Übergang−13 … +11−21 … +13−25 … +16−35 … +22Kupplungsnabe, feste Nabe mit Feder
H7/n6Übergang−19 … +5−28 … +6−33 … +8−45 … +12Stiftverbindung, Ringpassung
H7/p6Press−22 … +2 ¹−35 … −1−42 … −1−59 … −2Lager-Innenring, rotierende Last
H7/r6Press−25 … −1−41 … −7−50 … −9−76 … −19Buchse fester Sitz, mittl. Übermaß
H7/s6Press−32 … −8−48 … −14−59 … −18−93 … −36Nabe fest, thermisches Fügen

Auswahlmatrix: Anwendung → empfohlene Passung

Die folgende Matrix übersetzt häufige Konstruktionsaufgaben direkt in eine Passungsempfehlung (Einheitsbohrungssystem).

Anwendungsfall Empfohlene Passung Typ Bemerkung
Wälzlager-Innenring, leichte/normale rotierende LastH7/k6 oder H6/k5ÜbergangUmfangslast → Sitz muss fest bleiben; k5 für P5-Lager
Wälzlager-Innenring, schwere / stoßartige LastH7/m6 oder H7/p6Übergang / PressGrößeres Übermaß verhindert Wandern des Innenrings
Wälzlager-Innenring, stehend (Punktlast)H7/h6 oder H7/g6SpielDemontierbar; Innenring dreht sich nicht mit
Riemenscheibe, lösbar (Wartung)H7/h6 oder H7/js6Spiel / ÜbergangMit Passfeder, Scheibe muss abziehbar sein
Riemenscheibe, fest (kein Ausbau)H7/k6 oder H7/m6ÜbergangMit Passfeder; Scheibe sitzt spielfrei
Zahnrad auf Welle, spielfreiH7/k6 oder H7/m6ÜbergangDrehmomentübertragung über Passfeder DIN 6885
Kupplungsnabe (lösbare Kupplung)H7/k6ÜbergangStandard für lösbare Kupplungen; mit Passfeder
Zylindrischer Stift (DIN 7)H7/p6 oder H7/r6PressPassstift nur durch Pressen oder Austreiben lösbar
Gleitbuchse, austauschbarH7/f7 oder H7/g6SpielLeicht einsetzbar und wechselbar, kein Werkzeug nötig

Lagerpassungen nach SKF/INA-Konvention

Wälzlagerhersteller unterscheiden zwei Lastfälle. Umfangslast (umlaufender Ring): Der Ring dreht sich relativ zur Last – er muss einen festen Sitz haben, da er sonst „wandert" und den Sitz aufweitet. Punktlast (stehender Ring): Die Last greift immer an derselben Stelle an – ein leichtes Spiel ist zulässig und sogar erwünscht, damit der Ring sich langsam dreht und der Verschleiß gleichmäßig verteilt wird.

Bauteil / Lastfall Wellentol. (Innenring) Gehäusetol. (Außenring)
Innenring, normale Umfangslastk5, k6, m5, m6H7, J7
Innenring, schwere / stoßartige Umfangslastn6, p6H7
Innenring, Punktlast (steht still)g6, h5, h6, js5, js6H7, H8
Außenring, normale Punktlast (steht im Gehäuse)H7, J7
Außenring, Umfangslast (dreht im Gehäuse)K7, M7, N7

Detaillierte Berechnungen und Montagehinweise finden Sie im Artikel Wellen und Lager: Passungen verstehen.

Häufige Fehler bei ISO 286-Passungen

Fehler 1: Toleranz und Oberflächenrauheit verwechselt

IT6 bei ⌀50 beträgt 16 µm. Ist die Oberflächenrauheit Rz = 16 µm (Ra ≈ 3,2 µm), füllen Rauheitsspitzen das gesamte Toleranzfeld aus – die Passung funktioniert nicht. Faustregel: Rz ≤ 25 % des IT-Grades. Bei IT6 (16 µm) also Rz ≤ 4 µm (Ra ≤ 0,8 µm). Bei Presspassungen zusätzlich beachten: Rauheitsspitzen werden beim Fügen geglättet – das effektive Übermaß sinkt um ca. 0,6 × Rz.

Fehler 2: Temperatureinfluss auf Pressverbände ignoriert

Stahl dehnt sich ca. 11–12 µm/(m·K) aus, Aluminium ca. 23 µm/(m·K). Bei einer Stahl-Welle in einer Aluminium-Nabe (H7/s6, ⌀50) und +80 °C Betriebserwärmung dehnt sich die Nabe um ca. 48 µm mehr aus als die Welle. Das übersteigt das nominale Mindestübermaß von 18 µm und kann die Verbindung lösen. Bei Materialmix das Übermaß thermisch auslegen oder formschlüssig sichern.

Fehler 3: ISO 2768 statt ISO 286 für Passungsmaße

ISO 2768 (Allgemeintoleranzen) entspricht grob IT12–IT14. Wer für eine Wälzlagerpaarung keine explizite Toleranz einträgt und sich auf „ISO 2768 mittel" verlässt, erhält bei ⌀50 rund IT13 ≈ 390 µm – das 15-fache von IT7. Jede Passungsfläche braucht eine explizite ISO 286-Toleranz im Zeichnungseintrag.

Fehler 4: Übergangspassung ohne Formschluss

H7/k6 bei ⌀30 hat ein mögliches Spiel von bis zu +19 µm. Tritt die ungünstigste Toleranzkombination auf, sitzt die Nabe mit minimalem Kraftschluss – oder mit Spiel. Eine Übergangspassung darf niemals als alleinige Drehmomentübertragung ausgelegt werden. Passfeder, Spannhülse oder ein Spannelement sind stets notwendig.

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Häufig gestellte Fragen zu ISO 286 und Passungen

Das Grundabmaß (fundamental deviation) legt die Lage des Toleranzfeldes zur Nulllinie fest – es bestimmt, ob das Maß über oder unter dem Nennmaß beginnt. Zum Beispiel hat Bohrung H immer das Grundabmaß Null (unteres Abmaß EI = 0). Das Toleranzfeld beschreibt die Breite des zulässigen Maßbereichs, definiert durch den IT-Grad (z. B. IT7 = 25 µm bei ⌀50). Zusammen ergeben Grundabmaß und IT-Grad das vollständige Toleranzfeld: H7 bei ⌀50 = 0 bis +25 µm.

Bohrungen lassen sich nicht so flexibel nacharbeiten wie Wellen. Standardbohrwerkzeuge (Bohrer, Reibahle) erzeugen immer eine H-Toleranz. Die Welle kann dagegen durch Drehen oder Schleifen auf jeden Grundabmaß-Buchstaben gebracht werden. Das Einheitsbohrungssystem reduziert deshalb die Werkzeugkosten erheblich: Eine Reibahle für H7⌀25 deckt alle Passungsarten ab; beim Einheitswellensystem bräuchte man für jeden Einsatzfall andere Bohrwerkzeuge.

Wälzlager nach DIN ISO 492 fordern für den Wellensitz typischerweise IT5 oder IT6, für den Gehäusesitz IT6 oder IT7. IT5 (z. B. k5, m5) wird bei Präzisionsanwendungen und schweren Lasten eingesetzt; IT6 (k6, m6) ist der Standard für normale Industriegetriebe und Motoren. IT7 reicht für den Gehäuse-Außendurchmesser aus, da der Außenring im Normalfall keine Umfangslast trägt.

Bei ⌀50 (Nennmaßbereich >30–50 mm) gilt: H7-Bohrung = 0 bis +25 µm (IT7=25); g6-Welle = −9 bis −25 µm (es=−9, IT6=16, ei=−25). Maximales Spiel = ES(Bohrung) − ei(Welle) = +25 − (−25) = 50 µm. Minimales Spiel = EI(Bohrung) − es(Welle) = 0 − (−9) = 9 µm. Das Spiel liegt also immer zwischen 9 und 50 µm.

Ein Wert von −1 µm bedeutet ein minimales Übermaß von 1 µm: Die Welle ist in der ungünstigsten Toleranzkombination um 1 µm größer als die Bohrung. In der Praxis ist das kaum spürbar, aber technisch handelt es sich bereits um eine kraftschlüssige Verbindung. Bei Übergangspassungen mit kleinem Überschneidungsbereich tritt dieser Fall auf und erfordert immer ein zusätzliches Formelement (Passfeder).

Die Unterscheidung geht auf die internationale Normungsphilosophie zurück: Bohrungen (Innenmaße) erhalten Großbuchstaben (A–ZC), Wellen (Außenmaße) Kleinbuchstaben (a–zc). Das macht die Passungsangabe im Zeichnungseintrag sofort lesbar: ⌀50 H7/k6 bedeutet ohne Zusatzhinweis – Bohrung H7, Welle k6. Vor ISO 286 gab es national unterschiedliche Systeme; die einheitliche Buchstaben-Konvention ermöglichte die internationale Harmonisierung.

ISO 2768 (Allgemeintoleranzen) gilt für Maße ohne individuelle Toleranzangabe in der Zeichnung – es ist eine Sammeltoleranz für unkritische Freimaße und entspricht grob IT12–IT14. ISO 286 ist dagegen eine bewusste, bauteilspezifische Toleranzzuweisung für Funktionspassungen. Für jede Passung, bei der Spiel, Übergang oder Übermaß gezielt eingestellt werden soll, ist ISO 286 zwingend. ISO 2768 eignet sich nur für Freimaße ohne Passungsfunktion.

Stahl hat einen Wärmeausdehnungskoeffizienten von ca. 11–12 µm/(m·K), Aluminium von ca. 23 µm/(m·K). Bei einer H7/s6-Presspassung (⌀50, Übermaß ca. 18–59 µm) und +80 °C Betriebserwärmung dehnt sich die Aluminiumnabe um ca. 48 µm mehr aus als die Stahlwelle. Das kann das nominale Mindestübermaß von 18 µm vollständig aufheben und die Verbindung lösen. Beim Materialmix muss das Übermaß thermisch ausgelegt oder die Verbindung formschlüssig gesichert werden.

Thomas Albrecht

Über den Autor

Thomas Albrecht

Head of Procurement · Technische Antriebselemente GmbH

Thomas Albrecht verantwortet den Einkauf bei TEA und berät bei der technischen Spezifikation von Wellen, Lagern und Passungsfragen. Mit langjähriger Erfahrung unterstützt er Konstrukteure und Einkäufer bei der Auswahl hochwertiger Komponenten.

Geprüft am 8. Mai 2026
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