Der Ablauf im Überblick
Die vorherigen Einheiten haben die einzelnen Bausteine geliefert – Drehmoment, Leistung und Drehzahl, Betriebsart und Überlastfaktor für Aussetzbetrieb, Massenträgheit. Diese letzte Einheit setzt sie zu einem Ablauf zusammen, wie ihn die Checkliste des Ratgebers vorschlägt:
- Lastprofil und Lasttyp bestimmen: Welche Betriebsart (S1–S10)? Konstante, lineare oder quadratische Last?
- Drehmoment und Drehzahl berechnen: aus Kraft und Hebelarm bzw. aus der Anwendung.
- Leistung berechnen: aus Drehmoment und Drehzahl (M = 9550 · P / n, siehe Einheit 1).
- Sicherheitsfaktor aufschlagen (multiplizieren): 1,1–1,25 auf das berechnete Drehmoment bzw. die Leistung.
- Überlastfaktor für Aussetzbetrieb prüfen: bei Aussetzbetrieb (S3–S5) ggf. kleinere Baugröße möglich (siehe Einheit 2).
- Umgebungstemperatur bewerten: bei > 40 °C Motorleistung reduzieren oder größeren Motor wählen.
- Energieeffizienz festlegen: mindestens IE3, bevorzugt IE4.
- Bauform und Schutzart festlegen: B3/B5/B14, IP54/IP55/IP65 je nach Einbausituation.
- Motor-Getriebe-Wärmebilanz prüfen: Verluste des Getriebes müssen durch Kühlung aufgenommen werden können.
- Datenblatt vergleichen und Hersteller kontaktieren: bei Unsicherheiten oder komplexen Anforderungen Application Engineer einbeziehen.
Zwei typische Fehler
Fehler 1 – Lasttyp falsch angenommen: Ob eine Last konstant, linear oder quadratisch mit der Drehzahl ansteigt, entscheidet maßgeblich über die benötigte Motorleistung bei Drehzahländerung. Der Ratgeber warnt ausdrücklich: Falsche Annahmen über die Lastart führen zu teuren Fehlern in der Motorauswahl – der Lasttyp gehört in der Maschinenzeichnung oder direkt bei der Maschinenfabrik geprüft, nicht geschätzt.
Fehler 2 – Überlastfaktor für Aussetzbetrieb bei langen Zyklen falsch angewendet: IEC 60034-1 legt für S3 eine Spieldauer von zehn Minuten zugrunde, sofern nichts anderes angegeben ist. Bei deutlich längeren Zyklen (etwa 30 Minuten Last, 30 Minuten Pause) erwärmt sich die Wicklung in der Lastphase deutlich stärker als im 10-Minuten-Spiel, trotz gleicher Einschaltdauer (ED %) – die Tabellenfaktoren aus Einheit 2 gelten dann nicht ohne Weiteres. Deshalb sollten bei einer Anfrage neben der Einschaltdauer immer auch Zykluszeit und Lastspiel konkret angegeben werden.
Merksatz
Für eine vollständige Motoranfrage sollten laut Lerneinheit immer angegeben werden: Betriebsart und Einschaltdauer, Lasttyp, Drehmoment/Drehzahl/Leistung, Umgebungstemperatur und Sicherheitsfaktor, Bauform, Schutzart und Energieeffizienzklasse sowie der Wirkungsgrad eines eingesetzten Getriebes. Wie Motor und Umrichter im Detail ausgewählt werden, vertieft Modul 2 dieser Academy.
Wissenscheck
Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.
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