Der Asynchronmotor kurz erklärt
Der Asynchronmotor (Induktionsmotor) ist die Standardwahl für die meisten Antriebsaufgaben in der Industrie. Das rotierende Magnetfeld des Stators induziert Ströme im Rotor – daher der Name „asynchron": Der Rotor läuft immer etwas langsamer als das Statorfeld. Er ist robust, wartungsarm und günstig, was ihn zum Arbeitstier der Industrie macht. Für die Mehrzahl der Anwendungen im Maschinenbau und in der Fördertechnik bietet er das beste Preis-Leistungs-Verhältnis; wann sich stattdessen ein Servomotor lohnt, behandelt die nächste Einheit.
Was auf dem Typenschild steht
Ein Motor wird nach vier Hauptkriterien ausgewählt: benötigte Leistung, Schutzart, Bauform und Energieeffizienzklasse. Die Leistung ergibt sich aus Drehmoment und Drehzahl: P = M · 2π · n / 60. Gängige Netzfrequenzen sind 50 Hz (Europa) mit synchronen Drehzahlen von 750, 1.000, 1.500 oder 3.000 min⁻¹; bei 60 Hz entsprechend 900, 1.200, 1.800 oder 3.600 min⁻¹. Beim Vergleich von Angeboten sollten zusätzlich die Namenschilddaten Spannung, Stromaufnahme und Wirkungsgrad neben Leistung und IE-Klasse geprüft werden.
Diese Nenndaten hängen unmittelbar mit der in Modul 1 eingeführten Formel M = 9550 · P / n zusammen: Aus Nennleistung und Nenndrehzahl auf dem Typenschild lässt sich das Nennmoment direkt berechnen.
Die Schutzart (IP-Code nach IEC 60034-5) gibt an, wie gut der Motor gegen Fremdkörper und Feuchtigkeit geschützt ist: IP54 und IP55 sind bei Normmotoren verbreitet und decken die meisten Fertigungshallen und Feuchtbereiche ab, IP65 für Wash-down-Anwendungen. Die Energieeffizienzklasse (IE nach IEC 60034-30-1) reicht von IE1 bis IE5 – mindestens IE3 ist heute Pflicht, IE4 rechnet sich bei langen Laufzeiten meist innerhalb weniger Betriebsjahre. Einheit 3 dieses Moduls vertieft die IE-Klassen im Detail.
Bauformen: B3, B5, B14
Die Bauform legt fest, wie der Motor mechanisch befestigt wird. B3 (Fußmontage) ist die häufigste Bauform und eignet sich für den Anbau an Getriebe, Pumpen und Lüfter – der Motor hat keinen Befestigungsflansch an der Abtriebsseite. B5 (großer Flansch mit Durchgangslöchern, FF) wird direkt an die Maschine angeflanscht, ohne Füße, und eignet sich besonders für vertikale oder schräge Montage. B14 (kleiner Flansch mit Gewindebohrungen, FT) ist ebenfalls fußlos und wird häufig direkt an kompakte Getriebe angebaut.
Merksatz
Wissenscheck
Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.
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