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MODUL 8 · EINHEIT 1 VON 5

Fett oder Öl?

ca. 6 Min. · Lernziele, Beispiel, Wissenscheck

Lernziele — nach dieser Einheit können Sie …

  • den strukturellen Unterschied zwischen Schmierfett (Grundöl + Verdicker + Additive) und Schmieröl (Grundöl + Additive) benennen;
  • anhand von Drehzahl (dn-Wert), Temperatur, Abdichtung und Wartungszugang zwischen Fett und Öl entscheiden;
  • die NLGI-Klassifizierung von Schmierfetten nach DIN 51818 grob einordnen.

Zwei bzw. drei Komponenten

Ein Schmierfett ist ein Gemisch aus Grundöl (60–95 % der Masse), Verdicker (5–40 %, meist Lithiumseife) und Additiven (0–10 %) – der Verdicker „geliert" das Grundöl zu einer plastischen Masse und bestimmt die NLGI-Klasse nach DIN 51818. Ein Schmieröl ist dagegen einfacher aufgebaut: nur Grundöl (90–100 %) plus Additive, ohne Verdicker. Diese strukturelle Differenz bestimmt Einsatzgebiet, Drehzahlgrenze und Wartungsintervall.

Der dn-Wert entscheidet

Die wichtigste Faustkennzahl für die Grundsatzentscheidung ist der dn-Wert – das Produkt aus Bohrungsdurchmesser (d, in mm) und Drehzahl (n, in U/min): dn = d × n (Hersteller rechnen für die genaue Auslegung oft mit dem mittleren Lagerdurchmesser d_m statt der Bohrung). Er gibt einen groben Anhalt für die reibungsbedingte Wärmeentwicklung im Lager. Als Faustregel gilt: Bis dn ≈ 300.000 ist NLGI-2-Fett Standard; die genaue Grenze ist lagerbauart- und fettabhängig. Darüber sollte auf Ölschmierung gewechselt werden, weil Fett die entstehende Wärme schlecht abführt.

Weitere Kriterien verstärken oder relativieren diese Grundregel: Ist die Schmierstelle offen, staubig oder feucht, spricht die gute Abdichtwirkung für Fett. Ist dagegen kontinuierliche Wärmeabfuhr nötig – etwa bei Hochlast-Getrieben – oder ist eine automatische Umlaufschmierung ohnehin vorhanden, gewinnt Öl trotz aufwendigerer Abdichtung.

Merksatz

Fett dichtet, Öl kühlt: Schmierfett bleibt an der Schmierstelle und dichtet gegen Staub und Feuchtigkeit ab, Schmieröl transportiert dagegen Reibungswärme ab. Wo beides gefordert ist – hohe Drehzahl und hohe Wärmelast –, gewinnt in der Regel das Öl.

Rechenbeispiel: dn-Wert zweier Lager

Ein Wälzlager mit d = 50 mm Bohrungsdurchmesser dreht mit n = 3.000 U/min:

dn = 50 × 3.000 = 150.000 → deutlich unter 300.000, NLGI-2-Fett verträgt sich problemlos.

Dasselbe Lager bei n = 9.000 U/min: dn = 50 × 9.000 = 450.000 → über 300.000. Hier drohen Überhitzung und Ausfallrisiko bei Fettschmierung – Ölschmierung ist erforderlich.

Wissenscheck

Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.

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Frage 1 von 3: Bis zu welchem ungefähren dn-Wert gilt NLGI-2-Fett laut Lerneinheit als Standard für Wälzlager?
Erklärung

Als Faustregel (lagerbauart- und fettabhängig) gilt: Bis dn ≈ 300.000 ist NLGI 2 der Industriestandard; darüber sollte auf Öl gewechselt oder mit reduziertem Intervall auf NLGI 1 zurückgegriffen werden.

Quelle: Schmierfette vs. Schmieröle: Entscheidungshilfe →
Frage 2 von 3: Was unterscheidet ein Schmierfett strukturell von einem Schmieröl?
Erklärung

Schmierfett ist ein Gemisch aus Grundöl (60–95 %) und Verdicker (5–40 %, meist Lithiumseife) plus Additiven. Schmieröl besteht dagegen nur aus Grundöl (90–100 %) und Additiven – ohne Verdicker.

Quelle: Schmierfette vs. Schmieröle: Entscheidungshilfe →
Frage 3 von 3: Welche Aussage aus der Vergleichstabelle Fett vs. Öl trifft zu?
Erklärung

Fett passt sich Spalten an und dichtet ausgezeichnet ab, leitet Wärme aber schlecht (Verdicker behindert die Wärmeleitung). Öl ermöglicht direkte Konvektionskühlung, dichtet offene Systeme aber schlechter ab.

Quelle: Schmierfette vs. Schmieröle: Entscheidungshilfe →

Bitte alle drei Fragen beantworten, um „Prüfen" zu aktivieren.

Vertiefung (optional)

Ratgeber: Schmierfette vs. Schmieröle – Entscheidungshilfe (öffnet in neuem Tab)

Lernzweck: Rechenwege und Zahlen sind vereinfachte Lehrbeispiele. Für eine reale Anlage gelten die Angaben des Herstellers, die einschlägigen Normen und die Prüfung durch eine fachkundige Person.

Curriculum v0.1 (Beta) · Stand 17.09.2026 · Inhalte sorgfältig erstellt und geprüft – finale Abnahme folgt

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