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MODUL 6 · EINHEIT 2 VON 5

Knicklast und kritische Drehzahl

ca. 8 Min. · Lernziele, Beispiel, Wissenscheck

Lernziele — nach dieser Einheit können Sie …

  • die Euler-Knicklast eines Kugelgewindetriebs für eine gegebene Lagerung berechnen;
  • die kritische Drehzahl (Biegeresonanz) berechnen und daraus die zulässige Betriebsdrehzahl bestimmen;
  • die vier Lagerungsarten (Fest-Fest, Fest-Gelenkig, Gelenkig-Gelenkig, Fest-Frei) und ihre Knicklängen-Konvention unterscheiden.

Zwei Stabilitätsgrenzen statt einer Momentfrage

Eine lange, schnell drehende Kugelgewindespindel scheitert selten am Antriebsmoment. Sie scheitert an Stabilität: Unter Drucklast kann sie ausknicken, und bei hoher Drehzahl gerät sie in Biegeresonanz. Beide Grenzen hängen von derselben Größe ab – der ungestützten Länge L zwischen den Lagern – und zwar quadratisch: Wer L verdoppelt, viertelt die Knicklast.

Euler-Knicklast

Die theoretische Knicklast folgt dem Euler-Ansatz; zulässig ist F_k/S. Für Kugelgewindetriebe gilt S ≥ 2 als katalogübliche Faustregel; bei Personengefährdung höher – verbindlich ist die Herstellerangabe. Das Flächenträgheitsmoment I hängt dabei von der vierten Potenz des Kerndurchmessers d_r ab – 16 statt 14 mm bedeuten schon rund 70 % mehr Knicklast:

I = π · d_r⁴ / 64

F_k = n_L · π² · E · I / L²

F_k = Knicklast (N) · E = 210.000 N/mm² (Stahl) · d_r = Kerndurchmesser (mm) · L = ungestützte Länge zwischen den Lagern (mm) · n_L = Lagerungsbeiwert. Kataloge nähern d_r teils als Nenndurchmesser minus Kugeldurchmesser.

Gültigkeit: Die Euler-Formel gilt nur für schlanke Spindeln. Maß ist die Schlankheit λ = L / (√n_L · d_r/4); Euler gilt erst oberhalb der Grenzschlankheit (Faustwert für Stahl rund 90–105, im Zweifel den höheren Wert). Bei kurzen, gedrungenen Spindeln gilt das Knickdiagramm des Herstellers. Zweite Grenze: Unabhängig von der Knicklast begrenzen die zulässige Druckspannung der Spindel sowie die Tragzahlen von Mutter und Festlager die Axialkraft – maßgeblich ist der kleinste Wert.

Lagerungsarten und ihre Beiwerte

Die Lagerung steckt vollständig im Beiwert n_L – von 0,25 (Fest–Frei) bis 4 (Fest–Fest), also Faktor 16 zwischen der schlechtesten und der besten Anordnung. Entscheidend ist dabei, wie stark ein Lager das Spindelende gegen Verkippen einspannt – es sind Biege-Randbedingungen, nicht die Frage, ob das Lager die Spindel axial festhält. Dieselbe Systematik liefert den Drehzahlbeiwert f_n für die kritische Drehzahl:

  • Fest–Fest (beide Enden eingespannt, z. B. Schrägkugellagerpaar): n_L = 4 · f_n = 27,6
  • Fest–Gelenkig (ein eingespanntes Festlager, ein Loslager): n_L = 2 · f_n = 19,0
  • Gelenkig–Gelenkig (beide Enden kippbeweglich gelagert): n_L = 1 · f_n = 12,2
  • Fest–Frei (ein Ende eingespannt, das andere frei): n_L = 0,25 · f_n = 4,3
Lagerung fest–gelenkigEin Wellenende fest eingespannt, das andere gelenkig gelagert – Lagerungsbeiwert n_L=2.
Lagerung gelenkig–gelenkigBeide Wellenenden gelenkig gelagert – Lagerungsbeiwert n_L=1.
Lagerung fest–freiEin Wellenende fest eingespannt, das andere frei (fliegend) – Lagerungsbeiwert n_L=0,25, ungünstigste Lagerung.

Kritische Drehzahl

Bei hoher Drehzahl gerät die Spindel in Biegeresonanz. Die kritische Drehzahl n_krit ist die Drehzahl, bei der diese Resonanz einsetzt; als zulässig gilt 80 % davon:

n_krit = f_n · (d_r / L²) · 10⁷

n_zul = 0,8 · n_krit

n_krit, n_zul in min⁻¹ · d_r, L in mm (Zahlenwertgleichung, Beiwerte für Stahl: E = 210.000 N/mm², ρ = 7,85 kg/dm³). Zusätzlich begrenzt der Drehzahlkennwert der Mutter (d₀ · n) die Drehzahl – der kleinere Wert zählt. Achtung beim Vergleich mit Katalogen: Manche rechnen den Faktor 0,8 schon in den Beiwert ein (dann rund 9,7 / 15,1 / 21,9 / 3,4) und liefern direkt n_zul – nicht noch einmal mit 0,8 multiplizieren.

Kugelgewindetrieb-Kataloge setzen für die Axialkraft höchstens 50 % der Knicklast an (Sicherheit S = 2) – eine katalogübliche Faustregel für Kugelgewindetriebe; bei Personengefährdung höher, verbindlich ist die Herstellerangabe. Der Kugelgewindetrieb-Rechner ist mit dem strengeren Wert S = 2,5 vorbelegt. Hubgetriebe-Hersteller rechnen für die Spindel oft mit einer Knicksicherheit von 3; verbindlich ist auch hier die Herstellerangabe.

Wichtiger Hinweis

L ist der Lagerabstand – die ungestützte Länge zwischen den Lagern bzw. vom Festlager bis zum freien Ende –, nicht die Euler-Knicklänge β·L. Die Lagerung steckt bereits vollständig im Beiwert n_L; wer zusätzlich die Euler-Knicklänge einsetzt, zählt sie doppelt. Hersteller setzen für die Knicklast teils die Länge ein, über die die Druckkraft wirkt (Mutter bis Festlager in ungünstigster Stellung); der Lagerabstand liegt auf der sicheren Seite.

Rechenbeispiel

Gegeben

Kerndurchmesser d_r = 15 mm, Lagerabstand L = 800 mm, Lagerung Fest–Gelenkig (n_L = 2, f_n = 19,0).

Berechnung

  • I = π · 15⁴ / 64 ≈ 2.485 mm⁴
  • F_k = 2 · π² · 210.000 · 2.485 / 800² ≈ 16.095 N → zulässig (S = 2): F_zul ≈ 8.048 N
  • Schlankheit λ = 800 / (√2 · 15/4) ≈ 151 – deutlich über der Grenzschlankheit, Euler gilt
  • n_krit = 19,0 · (15 / 800²) · 10⁷ ≈ 4.453 min⁻¹ → n_zul = 0,8 · 4.453 ≈ 3.562 min⁻¹

Zum Nachrechnen: Kugelgewindetrieb-Rechner (öffnet in neuem Tab)

  • Markierter Punkt 1: Beispiel: 16.095 N
  • Markierter Punkt 1: Beispiel: 16.095 N
Abbildung 6.2-1: Euler-Knicklast über Lagerabstand, vier Lagerungsarten. Quelle: Rechenweg dieser Lerneinheit
Beschreibung und Werte der Abbildung

Alle vier Kurven gelten für einen Kerndurchmesser d_r = 15 mm und einen Lagerabstand L von 800 bis 1.600 mm und fallen mit dem Quadrat von L. In diesem Bereich liegt die Schlankheit aller Punkte bei 107 oder darüber – die Spindel ist schlank, die Euler-Formel gilt. Fest-Fest (Lagerungsbeiwert 4) erträgt die höchste Last, Fest-Frei (Lagerungsbeiwert 0,25) die niedrigste. Die hervorgehobene Kurve Fest-Gelenkig entspricht der Lagerungsart des Rechenbeispiels dieser Einheit (L = 800 mm, 16.095 N). Die gestrichelte Linie zeigt die zulässige Last F_zul=F_k/2 mit Sicherheitsfaktor S=2 (katalogübliche Faustregel; der verlinkte Online-Rechner nutzt standardmäßig S=2,5, das ist kein Widerspruch, nur ein anderer Standardwert). Die gestrichelte Linie fällt mit der Kurve Gelenkig-Gelenkig zusammen (2/2 = 1).

Knicklast F_k je Lagerungsart und Lagerabstand
Lagerabstand L (mm)Fest–Fest (n_L=4) (N)Fest–Gelenkig (n_L=2) (N)Gelenkig–Gelenkig (n_L=1) (N)Fest–Frei (n_L=0,25) (N)F_zul = F_k/2 (S=2, bezogen auf Fest-Gelenkig) (N)
800 32.19116.0958.0482.0128.048
1.000 20.60210.3015.1511.2885.151
1.200 14.3077.1543.5778943.577
1.400 10.5115.2562.6286572.628
1.600 8.0484.0242.0125032.012

Wissenscheck

Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.

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Frage 1 von 3: Wie wird das Flächenträgheitsmoment I einer Spindel mit Kerndurchmesser d_r berechnet?
Erklärung

I = π · d_r⁴ / 64 ist das Flächenträgheitsmoment eines Vollkreisquerschnitts – es geht sowohl in die Euler-Knicklast als auch in die kritische Drehzahl ein.

Quelle: Kugelgewindetrieb: Auswahl und Auslegung →
Frage 2 von 3: Wie viel Prozent der kritischen Drehzahl n_krit gilt als zulässige Betriebsdrehzahl n_zul?
Erklärung

n_zul = 0,8 · n_krit – die Betriebsdrehzahl sollte 80 % der kritischen (Biegeresonanz-)Drehzahl nicht überschreiten.

Quelle: Kugelgewindetrieb: Auswahl und Auslegung →
Frage 3 von 3: Eine Spindel mit Kerndurchmesser d_r = 16 mm und Lagerabstand L = 1.000 mm ist Fest-Fest gelagert (n_L = 4). Wie groß ist die Euler-Knicklast F_k in N (E = 210.000 N/mm²)?
N
Erklärung

I = π · 16⁴ / 64 ≈ 3.217 mm⁴. F_k = n_L · π² · E · I / L² = 4 · π² · 210.000 · 3.217 / 1.000² ≈ 26.670 N (Schlankheit λ = 1.000 / (2 · 4) = 125 – Euler gilt).

Quelle: Kugelgewindetrieb-Rechner →

Bitte alle drei Fragen beantworten, um „Prüfen" zu aktivieren.

Vertiefung (optional)

Online-Rechner: Kugelgewindetrieb-Rechner (öffnet in neuem Tab) Ratgeber: Kugelgewindetrieb – Auswahl und Auslegung (öffnet in neuem Tab)

Lernzweck: Rechenwege und Zahlen sind vereinfachte Lehrbeispiele. Für eine reale Anlage gelten die Angaben des Herstellers, die einschlägigen Normen und die Prüfung durch eine fachkundige Person.

Curriculum v0.1 (Beta) · Stand 17.09.2026 · Inhalte sorgfältig erstellt und geprüft – finale Abnahme folgt

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