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MODUL 6 · EINHEIT 1 VON 5

Kugelgewindetrieb: Grundlagen

ca. 8 Min. · Lernziele, Beispiel, Wissenscheck

Lernziele — nach dieser Einheit können Sie …

  • die drei Hauptbauteile eines Kugelgewindetriebs (Spindel, Mutter mit Kugelrückführung, Kugeln) benennen;
  • die Bedeutung der Steigung Ph für Vorschub, Kraft und Geschwindigkeit erklären;
  • das Antriebsmoment eines Kugelgewindetriebs aus Axialkraft, Steigung und Wirkungsgrad berechnen.

Aufbau: Spindel, Mutter mit Kugelrückführung, Kugeln

Ein Kugelgewindetrieb wandelt eine Drehbewegung in eine Linearbewegung um – hocheffizient, weil er dabei rollende statt gleitende Reibung nutzt. Er besteht aus drei Hauptbauteilen: der Spindel (ein Stahlzylinder mit geschliffener oder gerollter, spiralförmiger Rille nach ISO 3408 (DIN ISO 3408), Standarddurchmesser 8–80 mm), der Mutter mit Kugelrückführung (Umlenkung), die auf der Spindel sitzt, die Last trägt und die Kugeln nach dem Lastbereich wieder an den Anfang zurückführt, und den Kugeln (gehärtete Stahlkugeln, typisch 4–10 mm), die zwischen Spindel und Mutter abrollen. Ein Käfig, der die Kugeln auf Abstand hält, ist bei Standardmuttern nicht üblich.

Die Rückführung erfolgt je nach Bauart über Umlenkrohr, Umlenkstück oder Stirnkappe. Für die Gesamtauslegung eines Linearsystems kommt zum Kugelgewindetrieb meist noch eine Linearführung hinzu, die Querkräfte und Momente aufnimmt, während der Kugelgewindetrieb ausschließlich die Axialkraft überträgt.

Steigung: Vorschub pro Umdrehung

Die Steigung Ph gibt an, wie weit sich die Mutter bei einer vollständigen Umdrehung (360°) der Spindel linear bewegt – der zentrale Auslegungsparameter für Kraft, Geschwindigkeit und Präzision. Eine kleine Steigung (1–3 mm) liefert je Nm Antriebsmoment eine hohe Axialkraft, aber wenig Vorschub pro Umdrehung – gut für präzise Positionierung; eine größere Steigung (5–10 mm Standard, über 10 mm für Hochgeschwindigkeit) bringt mehr Vorschub pro Umdrehung, verlangt dafür je N Axialkraft mehr Antriebsmoment.

Wirkungsgrad: rollende statt gleitende Reibung

Weil Kugeln rollen statt zu gleiten, erreicht ein Kugelgewindetrieb einen Wirkungsgrad von 90–98 % – eine Trapezgewindespindel mit ihrer Gleitreibung kommt nur auf 25–50 %. Der Wirkungsgrad steckt direkt im Antriebsmoment:

M = F · Ph / (2000 · π · η)

M = Antriebsmoment (Nm) · F = Axialkraft (N) · Ph = Steigung (mm) · η = Wirkungsgrad (0…1)

Genau diese Formel nutzt auch der Kugelgewindetrieb-Rechner: aus Axialkraft, Steigung und Wirkungsgrad das benötigte Antriebsmoment berechnen – bei bekannter Drehzahl n zusätzlich die Antriebsleistung P = M · n / 9550 (in kW).

Merksatz

Ein Kugelgewindetrieb rollt statt zu gleiten: Wirkungsgrade von 90–98 % bedeuten aber auch, dass er nicht selbsthemmend ist – bei vertikalen Hubachsen braucht er zusätzlich eine Haltebremse.

Rechenbeispiel

Skizze: KugelgewindetriebBeidseitig fest gelagert (eingespannt). Die Mutter steht in der ungünstigsten Stellung am Hubende; die Axialkraft F drückt sie zum linken (antriebsseitigen) Lager hin, der lange Abschnitt steht unter Druck. P_h ist die Steigung zwischen zwei Gewindegängen, d_r der Kerndurchmesser, L die ungestützte Länge zwischen den Lagern (Lagerabstand); am Drehpfeil Drehzahl n und Antriebsmoment M.

Gegeben

Ein Kugelgewindetrieb überträgt eine Axialkraft F = 2.500 N bei einer Steigung Ph = 5 mm und einem Wirkungsgrad η = 0,90.

Berechnung

  • M = F · Ph / (2000 · π · η) = 2.500 · 5 / (2000 · π · 0,90) ≈ 2,21 Nm

Zum Nachrechnen: Kugelgewindetrieb-Rechner (öffnet in neuem Tab)

Wissenscheck

Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.

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Frage 1 von 3: Welcher Wirkungsgrad ist für einen Kugelgewindetrieb typisch?
Erklärung

Ein Kugelgewindetrieb erreicht 90–98 % Wirkungsgrad, weil Kugeln zwischen Spindel und Mutter rollen statt zu gleiten – ein Trapezgewinde kommt dagegen nur auf 25–50 %.

Quelle: Kugelgewindetrieb: Auswahl und Auslegung →
Frage 2 von 3: Ein Kugelgewindetrieb überträgt eine Axialkraft F = 4.000 N bei einer Steigung Ph = 5 mm und einem Wirkungsgrad η = 0,90. Wie groß ist das Antriebsmoment M in Nm?
Nm
Erklärung

M = F · Ph / (2000 · π · η) = 4.000 · 5 / (2000 · π · 0,90) ≈ 3,54 Nm – genau die Formel, die auch der Kugelgewindetrieb-Rechner verwendet.

Quelle: Kugelgewindetrieb-Rechner →
Frage 3 von 3: Was folgt daraus, dass ein Kugelgewindetrieb nicht selbsthemmend ist?
Erklärung

Weil der hohe Wirkungsgrad des Kugelgewindetriebs eine Rückwärtsbewegung durch die Last nicht verhindert, braucht eine vertikale Hubachse eine zusätzliche Haltebremse – anders als eine selbsthemmende Trapezspindel.

Quelle: Glossar: Kugelgewindetrieb →

Bitte alle drei Fragen beantworten, um „Prüfen" zu aktivieren.

Vertiefung (optional)

Online-Rechner: Kugelgewindetrieb-Rechner (öffnet in neuem Tab) Ratgeber: Kugelgewindetrieb – Auswahl und Auslegung (öffnet in neuem Tab)

Lernzweck: Rechenwege und Zahlen sind vereinfachte Lehrbeispiele. Für eine reale Anlage gelten die Angaben des Herstellers, die einschlägigen Normen und die Prüfung durch eine fachkundige Person.

Curriculum v0.1 (Beta) · Stand 17.09.2026 · Inhalte sorgfältig erstellt und geprüft – finale Abnahme folgt

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