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MODUL 7 · EINHEIT 2 VON 5

Spielfrei oder spielbehaftet?

ca. 7 Min. · Lernziele, Beispiel, Wissenscheck

Lernziele — nach dieser Einheit können Sie …

  • Verdrehspiel definieren und in einen linearen Positionierfehler umrechnen;
  • spielfreie und spielbehaftete Komponenten typischen Anwendungen zuordnen;
  • entscheiden, wann Spielfreiheit erforderlich ist und wann Spielbehaftung ausreicht.

Was ist Verdrehspiel?

Verdrehspiel (auch Umkehrspiel oder Backlash) ist die Winkelabweichung zwischen Antriebs- und Abtriebsachse, wenn die Drehrichtung wechselt – verursacht durch Zahnflankenspiel, Lagerspiel, elastische Verformung und Fertigungstoleranzen. Es wird in Bogenminuten (arcmin) gemessen; 1° = 60 arcmin. Grobe Einordnung: < 0,5 arcmin Hochpräzision, < 1 arcmin spielfrei, 1–3 arcmin spielreduziert, 3–10 arcmin moderat, > 10 arcmin spielbehaftet.

Vom Verdrehspiel zum Positionierfehler

Verdrehspiel wird erst greifbar, wenn man es in einen linearen Positionierfehler am Wirkradius umrechnet:

s ≈ R · φ (φ im Bogenmaß)

s = Positionierfehler · R = Wirkradius/Hebel · 1 arcmin = 2,909 · 10⁻⁴ rad

Je größer der Wirkradius, desto stärker schlägt dasselbe Verdrehspiel auf die Positioniergenauigkeit durch – ein Grund, weshalb dieselbe arcmin-Angabe an einem kurzen Hebel harmlos, an einem langen Ausleger aber inakzeptabel sein kann.

Spielfreie und spielbehaftete Komponenten

Spielfrei bis spielreduziert: Präzisions-Planetengetriebe (typisch ≤ 1–3 arcmin, Fertigungsqualität nach DIN 3961/3962; international ISO 1328-1, Stufen dort nur näherungsweise vergleichbar), Balgkupplungen (< 1 arcmin) und vorgespannte Lager/Führungen – allerdings 2- bis 5-mal teurer als Standardkomponenten.

Spielbehaftet: Schneckengetriebe (5–20 arcmin neu, 20–50 arcmin nach Jahren), Klauenkupplungen mit Elastomereinsatz (3–8 arcmin) und Standard-Zahnstangen nach DIN 8 (10–30 arcmin) – für Fördertechnik und kraftgesteuerte Anwendungen völlig ausreichend.

Merksatz

Rechnen Sie das Verdrehspiel immer am tatsächlichen Wirkradius in Millimeter um, bevor Sie eine Spielklasse festlegen – dieselbe Angabe in arcmin ist an einem 50-mm-Hebel harmlos und an einem 1-m-Ausleger inakzeptabel.

Rechenbeispiel

Gegeben

Wirkradius R = 200 mm, Verdrehspiel φ = 5 arcmin.

Berechnung

  • φ = 5 · 2,909 · 10⁻⁴ = 1,45 · 10⁻³ rad
  • s ≈ 200 mm · 1,45 · 10⁻³ ≈ 0,29 mm

Eine spielfreie Achse (< 1 arcmin) senkt denselben Fehler auf unter 0,06 mm.

Wissenscheck

Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.

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Frage 1 von 3: Ab welchem Verdrehspiel gilt eine Komponente laut Lerneinheit als "spielfrei"?
Erklärung

Der Ratgeber setzt die Grenze für "spielfrei" bei unter 1 Bogenminute (arcmin) an; unter 0,5 arcmin gilt bereits als Hochpräzision.

Quelle: Spielfreiheit vs. Spielbehaftung →
Frage 2 von 3: An einem Hebelarm R = 150 mm liegt ein Verdrehspiel von φ = 8 arcmin vor. Wie groß ist der lineare Positionierfehler s in mm (1 arcmin = 2,909 · 10⁻⁴ rad)?
mm
Erklärung

s ≈ R · φ = 150 mm · 8 · 2,909 · 10⁻⁴ ≈ 0,35 mm.

Quelle: Spielfreiheit vs. Spielbehaftung →
Frage 3 von 3: Welche Komponente hat laut Lerneinheit typischerweise 5–20 arcmin Verdrehspiel im Neuzustand?
Erklärung

Schneckengetriebe haben aufgrund der gleitenden Kontaktart (Schnecke auf Zahnrad) 5–20 arcmin Verdrehspiel im Neuzustand, das nach einigen Betriebsjahren auf 20–50 arcmin ansteigen kann.

Quelle: Spielfreiheit vs. Spielbehaftung →

Bitte alle drei Fragen beantworten, um „Prüfen" zu aktivieren.

Vertiefung (optional)

Ratgeber: Spielfreiheit vs. Spielbehaftung (öffnet in neuem Tab)

Lernzweck: Rechenwege und Zahlen sind vereinfachte Lehrbeispiele. Für eine reale Anlage gelten die Angaben des Herstellers, die einschlägigen Normen und die Prüfung durch eine fachkundige Person.

Curriculum v0.1 (Beta) · Stand 17.09.2026 · Inhalte sorgfältig erstellt und geprüft – finale Abnahme folgt

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