Beta – die TEA Academy ist neu. Die Inhalte dienen dem Lernen, sind sorgfältig erstellt, aber noch nicht fachlich freigegeben. Sie ersetzen keine Auslegung nach Herstellerangaben. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns.

← Zur Modulübersicht
MODUL 4 · EINHEIT 4 VON 5

Werkstoffe und Verzahnungsqualität

ca. 6 Min. · Lernziele, Beispiel, Wissenscheck

Lernziele — nach dieser Einheit können Sie …

  • Stahl, Kunststoff, Sintermetall und Bronze anhand Tragfähigkeit, Geräusch, Temperatur, Korrosion und Kosten unterscheiden;
  • die Verzahnungsqualitätsstufen nach DIN 3961/3962 (international ISO 1328-1; Stufen dort nur näherungsweise vergleichbar) den passenden Anwendungen zuordnen;
  • erklären, wozu Flankenspiel notwendig ist und welche Folgen zu großes oder zu kleines Spiel hat.

Vier Werkstoffgruppen, vier Einsatzprofile

Der Werkstoff entscheidet über Tragfähigkeit, Geräusch, Verschleiß, Korrosionsbeständigkeit, Temperaturgrenze und Kosten eines Zahnrads:

  • Stahl (vergütet oder einsatzgehärtet) – höchste Tragfähigkeit, erste Wahl für Leistungsgetriebe; einsatzgehärtete Stähle (z. B. 16MnCr5) erreichen maximale Zahnfußfestigkeit und Grübchenbeständigkeit.
  • Kunststoff (POM/PA) – sehr leiser, oft trockenlaufender Betrieb, korrosionsfrei, aber begrenzte Last und Temperatur (ca. 80–120 °C).
  • Sintermetall – pulvermetallurgisch endkonturnah gefertigt, wirtschaftlich in der Großserie, Tragfähigkeit zwischen Kunststoff und Stahl; poröse Struktur kann Öl aufnehmen (Notlauf).
  • Bronze – Standardwerkstoff für Schneckenräder gegen gehärteten Stahl: niedrige Reibung, gute Einlaufeigenschaften, ausreichende Druckfestigkeit.
Zahnradwerkstoffe im Vergleich
Werkstoff Tragfähigkeit Geräusch Temperatur Korrosion
Stahl (vergütet/gehärtet)sehr hochmittelhochgering (rostet)
Kunststoff (POM/PA)niedrig–mittelsehr leisebegrenzt (~80–120 °C)sehr gut
Sintermetallmittelmittelmittelmittel
Bronze (z. B. CuSn12)mittel (Gleitpaarung)leisehochgut

Verzahnungsqualität nach DIN 3961/3962 (international ISO 1328-1; Stufen dort nur näherungsweise vergleichbar)

Die Fertigungsgenauigkeit einer Verzahnung wird in Qualitätsstufen 1–12 eingeteilt (Stufe 1 = höchste Präzision):

Verzahnungsqualitätsstufen nach DIN 3961/3962 (international ISO 1328-1; Stufen dort nur näherungsweise vergleichbar) und Anwendungsbereiche
Stufe Anwendungsbereich
5–6Robotik, Medizintechnik, Messgeräte
7–8Automotive, Maschinenbau
9–10Fördertechnik, allgemeine Maschinen
11–12Rohguss, Grobfertigung

Die Zuordnung der Qualitätsstufen zu Branchen ist ein Richtwert aus dem Ratgeber dieser Lerneinheit, keine feste Normvorgabe; einzelne Anwendungen weichen davon ab.

Abbildung 4.4-1: Verzahnungsqualität nach DIN 3961/3962 (international ISO 1328-1; Stufen dort nur näherungsweise vergleichbar) und typische Einsatzbereiche. Ergänzt die Tabelle oben, keine neuen Werte. Schematische Darstellung, nicht maßstäblich. Quelle: Ratgeber-Inhalt dieser Lerneinheit, Tabelle oben
Beschreibung der Abbildung

Die Skala reicht von Qualitätsstufe 5 (höchste Genauigkeit) bis Stufe 12 (gröbste Fertigung). Stufe 5–6 wird für Robotik und Medizintechnik verwendet, Stufe 7–8 für Automotive und allgemeinen Maschinenbau, Stufe 9–10 für Fördertechnik und Stufe 11–12 für Rohguss und Grobfertigung. Als grobe Einordnung gilt: Stufe 6 kostet rund das 2- bis 3-Fache von Stufe 9 – das ist nur ein Beispielwert, keine durchgängige Kostenkurve.

Eine Stufe höher bedeutet engere Fertigungstoleranzen und einen überproportionalen Kostenanstieg (Stufe 6 kostet ca. 2–3-mal mehr als Stufe 9) – deshalb gilt: nur so genau wählen wie tatsächlich nötig.

Flankenspiel: notwendig, aber begrenzt

Das Flankenspiel j – der Abstand zwischen tragender und nicht tragender Zahnflanke – ist notwendig für die Schmierung und den Ausgleich von Wärmedehnung. Zu großes Spiel erzeugt Umkehrspiel und Geräusche, zu kleines Spiel führt zu Klemmen oder Fressen. Die Toleranzklasse der Verzahnung legt das zulässige Flankenspiel über Zahndicken- und Achsabstandstoleranz fest.

Merksatz

Werkstoff nach Last, Geräusch, Umgebung, Stückzahl und Temperatur wählen – nicht nach Gewohnheit. Verzahnungsqualität nur so hoch wie nötig ansetzen, denn jede Stufe kostet überproportional mehr.

Kurz angewendet

Ein Servoantrieb in einer Bestückungsmaschine mit hohen Anforderungen an Positioniergenauigkeit und geringes Geräusch spricht für ein gehärtetes Stahlzahnrad in Qualitätsstufe 5–6. Ein Verstellgetriebe in einem Haushaltsgerät mit geringer Last und Kostendruck ist dagegen ein klassischer Fall für ein Kunststoffzahnrad aus POM in Standardqualität. Läuft dieselbe Anwendung in einer feuchten oder hygienisch sensiblen Umgebung, kommt zusätzlich Edelstahl oder ein geeigneter Kunststoff (z. B. PEEK) infrage.

Wissenscheck

Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.

Diese Funktion braucht JavaScript. Die Lerninhalte selbst können Sie auch ohne JavaScript lesen.

Frage 1 von 3: Welcher Werkstoff ist die klassische Wahl für Schneckenräder, die gegen eine gehärtete Stahlschnecke laufen?
Erklärung

Bronze (z. B. CuSn12) bietet gegenüber gehärtetem Stahl niedrige Reibung, gute Einlaufeigenschaften und ausreichende Druckfestigkeit – ideal für die Gleitpaarung im Schneckengetriebe.

Quelle: Zahnradwerkstoffe im Vergleich →
Frage 2 von 3: Warum werden Kunststoffzahnräder aus POM/PA in der Feinwerktechnik häufig eingesetzt?
Erklärung

Kunststoff dämpft Körperschall, viele Typen laufen selbstschmierend trocken – ideal für leise, leichte bis mittlere Lasten. Für hohe Lasten oder Dauertemperaturen über ca. 80–120 °C ist Kunststoff aber ungeeignet.

Quelle: Zahnradwerkstoffe im Vergleich →
Frage 3 von 3: Welche Verzahnungsqualitätsstufe nach DIN 3961/3962 (international ISO 1328-1; Stufen dort nur näherungsweise vergleichbar) eignet sich laut Lerneinheit für Robotik und Messtechnik?
Erklärung

Stufe 5–6 steht für Hochpräzision (Robotik, Medizintechnik, Messgeräte). 7–8 ist Automotive-Standard, 9–10 Fördertechnik, 11–12 Grobfertigung – jede Stufe höher kostet überproportional mehr.

Quelle: Verzahnungstechnik: Grundbegriffe →

Bitte alle drei Fragen beantworten, um „Prüfen" zu aktivieren.

Vertiefung (optional)

Ratgeber: Zahnradwerkstoffe im Vergleich (öffnet in neuem Tab) Ratgeber: Verzahnungstechnik – Grundbegriffe (öffnet in neuem Tab) Glossar: Flankenspiel (öffnet in neuem Tab)

Lernzweck: Rechenwege und Zahlen sind vereinfachte Lehrbeispiele. Für eine reale Anlage gelten die Angaben des Herstellers, die einschlägigen Normen und die Prüfung durch eine fachkundige Person.

Curriculum v0.1 (Beta) · Stand 17.09.2026 · Inhalte sorgfältig erstellt und geprüft – finale Abnahme folgt

+49 [40] 5388921-11 sales@tea-hamburg.de