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MODUL 8 · EINHEIT 5 VON 5

Gesamtkosten und Beschaffung

ca. 8 Min. · Lernziele, Beispiel, Wissenscheck

Lernziele — nach dieser Einheit können Sie …

  • die TCO-Kostenblöcke eines Antriebsstrangs (Anschaffung, Installation, Energie, Wartung, Stillstand, Entsorgung) und ihre grobe Größenordnung benennen;
  • erklären, warum bei Dauerbetrieb Energiekosten und nicht der Anschaffungspreis die Gesamtkosten dominieren;
  • aus dem Gesamtwirkungsgrad von Motor und Getriebe den Energieverbrauch und mit dem Emissionsfaktor des Strommix die CO₂-Bilanz zweier Antriebsvarianten vergleichen;
  • Beschaffungskosten (Prozess-, Lager-, Kapitalbindungskosten) von reinen Stückpreisen unterscheiden und den Nutzen einer Lieferantenkonsolidierung einordnen.

TCO: mehr als der Anschaffungspreis

Die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO) eines Antriebsstrangs gliedern sich in sechs Blöcke: Anschaffung, Installation, Energie, Wartung, Stillstand und Entsorgung. Bei industriellem Dauerbetrieb (rund 6.000 Betriebsstunden pro Jahr, 15 Jahre Nutzungsdauer) entfallen 70–90 % auf die Energie. Der Anschaffungspreis – worauf sich Angebotsvergleiche meist konzentrieren – macht dagegen nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus: Komponenten rund 3–8 %, mit Installation zusammen rund 5–12 % (Richtwert). Die Anteile aller sechs Blöcke zeigt die Abbildung.

Abbildung 8.5-1: TCO: Anteil der Kostenblöcke an den Lebenszykluskosten. Quelle: Rechenweg dieser Lerneinheit (Preis-Policy-Gate: nur Prozentwerte)
Beschreibung und Werte der Abbildung

Der Energie-Anteil (hervorgehoben) dominiert die Lebenszykluskosten mit 70 bis 90% bei weitem – deutlich mehr als Anschaffung (3–8%), Installation (1–4%), Wartung (3–10%), Stillstand (1–8%) und Entsorgung (unter 1%) zusammen. Das erklärt, warum sich eine Investition in einen höheren Wirkungsgrad über die Lebensdauer meist auszahlt, auch wenn die Anschaffung teurer ist.

Kostenblöcke als Anteil an den Lebenszykluskosten
Namevon (%)bis (%)
Anschaffung 38
Installation 14
Energie 7090
Wartung 310
Stillstand 18
Entsorgung 01

Warum Wirkungsgrad die Kosten dominiert

Weil Energie den größten Block bildet, wirkt sich der Wirkungsgrad einzelner Komponenten überproportional aus. Maßgeblich für den Stromverbrauch ist dabei der Gesamtwirkungsgrad η aus Motor und Getriebe. Im Beispiel dieser Lerneinheit treibt ein IE3-Motor (11 kW, 4-polig, η ≈ 91,4 %) über das Getriebe eine Last mit 11 kW mechanischer Nutzleistung an: Mit einem Schneckengetriebe (η ≈ 70 %) ergibt sich η_ges ≈ 0,64, mit einem Planetengetriebe (η ≈ 96 %) η_ges ≈ 0,877. Motorwirkungsgrad vereinfachend für beide Varianten gleich angesetzt (IE3, 91,4 %); tatsächlich braucht die Schneckenvariante einen größeren Motor. Bei gleicher Nutzleistung verbraucht das Schneckengetriebe dadurch rund 37 % mehr elektrische Energie pro Jahr als das Planetengetriebe. Dasselbe gilt für Motoren: Eine höhere Effizienzklasse kostet mehr, spart aber bei vielen Betriebsstunden schnell mehr ein.

E = P / η · h

E = Jahresenergieverbrauch (kWh) · P = mechanische Abtriebsleistung (kW) · η = Gesamtwirkungsgrad der Antriebskette = η_Motor · η_Getriebe (Dezimalwert) · h = Betriebsstunden pro Jahr

Mehr Energieverbrauch bedeutet auch mehr CO₂-Emissionen. Der Zusammenhang ist einfach:

m_CO₂ = E · f

m_CO₂ = CO₂-Menge (kg) · E = Energieverbrauch (kWh) · f = Emissionsfaktor des Strommix (kg CO₂/kWh), jährlich vom Umweltbundesamt veröffentlicht; deutscher Strommix 2025: f ≈ 0,344 kg CO₂/kWh

Über 10 Jahre Betrieb ergeben sich im Beispiel dieser Lerneinheit dadurch rund 355 t CO₂ beim Schneckengetriebe gegenüber rund 259 t beim Planetengetriebe – eine Differenz von rund 96 t.

Wartung als kleiner, aber wichtiger Block

Präventive Wartung kostet laut Faustregel rund 1–2 % des Anschaffungswerts pro Jahr – ein kleiner Posten, der aber teure Folgeschäden vermeidet. Dazu gehören der Ölwechsel im Getriebe, der rechtzeitige Tausch von Wälzlagern und neue Wellendichtringe. Die üblichen Fristen stehen unten bei den Zahlen zum Nachschlagen.

Beschaffungskosten: mehr als der Stückpreis

Auch auf der Einkaufsseite ist der Stückpreis nur ein Kostenblock von mehreren – dazu kommen Prozesskosten je Bestellvorgang, Kosten der Lieferantenbeziehung, Lagerhaltungskosten und Kapitalbindungskosten. Eine Bündelung von Bedarfen auf weniger Lieferanten kann laut einer Anbieterquelle 3–8 % Preisvorteil auf das gebündelte Volumen bringen – eine unabhängige Studie dazu gibt es nicht. Ein Rahmenvertrag ist dabei kein kostenloser Vorteil: Abnahmeverpflichtung und Bindungsdauer stehen dem Preisvorteil gegenüber.

Merksatz

Der Stückpreis ist nur ein Kostenblock von mehreren – bei Dauerbetrieb entscheidet der Wirkungsgrad über die Gesamtkosten, nicht der Katalogpreis. Beim Einkauf zählt entsprechend die Bündelung von Prozess-, Lager- und Kapitalbindungskosten, nicht nur der Rabatt auf den Stückpreis.

Rechenbeispiel: Energieverbrauch im Verhältnis

Aus dem Beispiel dieser Lerneinheit (IE3-Motor 11 kW, η ≈ 91,4 %, 6.000 h/Jahr): Schneckengetriebe (η_ges ≈ 0,64) 103.157 kWh/Jahr, Planetengetriebe (η_ges ≈ 0,877) 75.219 kWh/Jahr. Motorwirkungsgrad vereinfachend für beide Varianten gleich angesetzt (IE3, 91,4 %); tatsächlich braucht die Schneckenvariante einen größeren Motor.

(103.157 − 75.219) / 75.219 ≈ 0,371 → rund 37 % mehr Energieverbrauch beim Schneckengetriebe – bei gleichem Strompreis in exakt demselben Verhältnis auch 37 % höhere Energiekosten.

Abbildung 8.5-2: Jahresenergieverbrauch: Schnecke vs. Planetengetriebe. Quelle: Rechenbeispiel dieser Lerneinheit / Selbsttest Frage 10
Beschreibung und Werte der Abbildung

Bei sonst gleichen Randbedingungen (IE3-Motor, η ≈ 91,4 %, vereinfachend für beide Varianten gleich angesetzt; tatsächlich braucht die Schneckenvariante einen größeren Motor) verbraucht das Schneckengetriebe rund 103.157 kWh pro Jahr, das Planetengetriebe (hervorgehoben als die effizientere Wahl) nur rund 75.219 kWh – ein Unterschied von etwa 37%. Beide Werte sind reine Energiemengen (kWh), keine Kostenbeträge (Preis-Policy-Gate).

Jahresenergieverbrauch nach Getriebetyp
NameWert (kWh)
Schneckengetriebe geringerer Wirkungsgrad, mehr Energie
Planetengetriebe ≈37% weniger Energie als Schnecke
Zahlen zum Nachschlagen

Diese Werte müssen Sie nicht auswendig wissen. Sie helfen beim Einordnen und bei einer Anfrage.

Richtwerte dieser Lerneinheit
ThemaRichtwert
Anteile der Kostenblöcke bei DauerbetriebAnschaffung 3–8 %, Installation 1–4 %, Energie 70–90 %, Wartung 3–10 %, Stillstand 1–8 %, Entsorgung unter 1 % (Richtwerte)
CO₂ im Beispiel Schnecke gegenüber Planet, über 10 Jahrerund 96 Tonnen mehr (355 t gegenüber 259 t; Emissionsfaktor deutscher Strommix 2025: 0,344 kg CO₂/kWh, Quelle: Umweltbundesamt)
Motor IE4 statt IE3Mehrpreis amortisiert sich umso schneller, je mehr Betriebsstunden der Motor im Jahr läuft; die Rechnung hängt vom tatsächlichen Mehrpreis und Strompreis ab
Getriebeöl wechselnalle 10.000–15.000 Betriebsstunden, spätestens alle zwei Jahre
Wälzlager präventiv tauschenbei rund 80 % der L10-Lebensdauer
Wellendichtringe tauschenalle 15.000–20.000 Betriebsstunden
Bündelung mit zusätzlicher Spezifikations-Harmonisierunglaut Anbieterquelle teils 10–15 % Preisvorteil (ohne Harmonisierung 3–8 %)

Wissenscheck

Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.

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Frage 1 von 3: Welchen Anteil an den Gesamtkosten (TCO) eines dauerhaft betriebenen Antriebs (ca. 6.000 Betriebsstunden pro Jahr) machen laut Lerneinheit typischerweise die Energiekosten aus?
Erklärung

Bei kontinuierlichem Betrieb entfallen über die Lebensdauer typischerweise 70–90 % der TCO auf Energie; der Anschaffungspreis macht dagegen nur einen Bruchteil aus (Richtwert: Komponenten 3–8 %, mit Installation zusammen rund 5–12 %).

Quelle: TCO im Antriebsstrang berechnen →
Frage 2 von 3: Ein Schneckengetriebe (η ≈ 70 %) und ein Planetengetriebe (η ≈ 96 %) erbringen mit demselben IE3-Motor dieselbe mechanische Nutzleistung. Wie verhält sich der jährliche elektrische Energieverbrauch laut dieser Lerneinheit?
Erklärung

Im Beispiel dieser Lerneinheit (IE3-Motor 11 kW, η ≈ 91,4 %, 6.000 h/Jahr) ergibt sich mit dem Schneckengetriebe ein Gesamtwirkungsgrad η_ges ≈ 0,64 und ein Verbrauch von 103.157 kWh/Jahr, mit dem Planetengetriebe η_ges ≈ 0,877 und 75.219 kWh/Jahr – rund 37 % mehr beim Schneckengetriebe, weil die elektrische Leistungsaufnahme umgekehrt proportional zum Gesamtwirkungsgrad steigt. Motorwirkungsgrad vereinfachend für beide Varianten gleich angesetzt (IE3, 91,4 %); tatsächlich braucht die Schneckenvariante einen größeren Motor.

Quelle: TCO im Antriebsstrang berechnen →
Frage 3 von 3: Welchen Preisvorteil nennt eine in der Beschaffungspraxis zitierte Anbieterquelle für reine Bedarfsbündelung (Konsolidierung ohne zusätzliche Spezifikations-Harmonisierung)?
Erklärung

Einkaufsdienstleister nennen für reine Bedarfsbündelung meist 3–8 % Einsparung auf das gebündelte Volumen; mit zusätzlicher Spezifikations-Harmonisierung werden teils 10–15 % genannt. Eine unabhängige Studie dazu existiert nicht – die Spanne stammt aus einer Anbieterquelle.

Quelle: Beschaffungskosten-Rechner: TCO & Lieferantenkonsolidierung →

Bitte alle drei Fragen beantworten, um „Prüfen" zu aktivieren.

Vertiefung (optional)

Ratgeber: TCO im Antriebsstrang berechnen (öffnet in neuem Tab) Online-Rechner: Beschaffungskosten-Rechner (öffnet in neuem Tab)

Lernzweck: Rechenwege und Zahlen sind vereinfachte Lehrbeispiele. Für eine reale Anlage gelten die Angaben des Herstellers, die einschlägigen Normen und die Prüfung durch eine fachkundige Person.

Curriculum v0.1 (Beta) · Stand 17.09.2026 · Inhalte sorgfältig erstellt und geprüft – finale Abnahme folgt

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