Aufbau einer Passungsangabe
ISO 286 definiert das internationale Toleranz- und Passungssystem. Eine Passungsangabe wie H7/k6 besteht aus zwei Kurzzeichen: Großbuchstabe = Bohrung (Innenmaß, A–ZC), Kleinbuchstabe = Welle (Außenmaß, a–zc). Jedes Kurzzeichen kombiniert einen Buchstaben (Grundabmaß – legt die Lage des Toleranzfeldes zur Nulllinie fest) mit einer Zahl (IT-Grad – legt die Breite des Toleranzfeldes fest, IT1 sehr eng bis IT18 sehr weit).
Bei Wellen liegen die Buchstaben a–g unter der Nulllinie und erzeugen Spiel, h liegt mit dem oberen Abmaß genau auf der Nulllinie, k–zc liegen darüber und erzeugen Übermaß. Bei Bohrungen ist es umgekehrt: A–G liegen über der Nulllinie (Spiel), H liegt mit dem unteren Abmaß auf der Nulllinie, K–ZC liegen überwiegend darunter (Übermaß).
Einheitsbohrungssystem
In der Praxis dominiert das Einheitsbohrungssystem: Die Bohrungstoleranz bleibt immer H, nur die Wellentoleranz variiert (g6, h6, k6, p6 …). Der Grund ist fertigungstechnisch: Reibahlen liefern eine H-Toleranz – eine einzige Reibahle für H7⌀30 deckt so alle Passungstypen ab, weil die Anpassung ausschließlich an der (flexibler bearbeitbaren) Welle erfolgt.
Drei Passungsarten: H7/g6, H7/k6, H7/p6
H7/g6 – Spielpassung: Das Toleranzfeld der Bohrung liegt vollständig über dem der Welle, es entsteht immer positives Spiel. Typisch für Gleitlager und Führungsbolzen.
H7/k6 – Übergangspassung: Die Toleranzfelder überlappen; je nach Einzelmaß entsteht geringes Spiel oder geringes Übermaß. Standard für Zahnräder und Naben bei normaler Last – häufig mit Passfeder oder Stift kombiniert.
H7/p6 – Presspassung: Das Toleranzfeld der Welle liegt vollständig über dem der Bohrung, es entsteht immer Übermaß und eine kraftschlüssige Verbindung – für Naben bei hoher Last, ohne zusätzliche Formelemente.
Merksatz
Rechenbeispiel: Spiel bei H7/g6
Gegeben
Bei ⌀50 gilt: H7-Bohrung = 0 bis +25 µm, g6-Welle = −9 bis −25 µm.
Berechnung
- Maximales Spiel = ES(Bohrung) − ei(Welle) = +25 − (−25) = 50 µm
- Minimales Spiel = EI(Bohrung) − es(Welle) = 0 − (−9) = 9 µm
Das Spiel liegt bei ⌀50 H7/g6 also immer zwischen 9 und 50 µm.
Beschreibung und Werte der Abbildung
Die Nulllinie entspricht dem Nennmaß ⌀50 mm. Die Bohrungstoleranz H7 reicht von 0 bis +25 µm, vollständig oberhalb der Nulllinie. Die Wellentoleranz g6 reicht von −25 bis −9 µm, vollständig darunter. Weil sich beide Felder nicht überschneiden und die Bohrung oben, die Welle unten liegt, ergibt sich immer ein Spiel: mindestens 9 µm, höchstens 50 µm. Das ist eine Spielpassung (Einheitsbohrungssystem).
| Merkmal | Bohrung H7 | Welle g6 |
|---|---|---|
| Unteres Abmaß (EI/ei) | 0 µm | −25 µm |
| Oberes Abmaß (ES/es) | +25 µm | −9 µm |
| Spiel | min. 9 µm | max. 50 µm |
Wissenscheck
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