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MODUL 4 · EINHEIT 2 VON 5

Evolvente, Eingriffswinkel und Wälzkreis

ca. 8 Min. · Lernziele, Beispiel, Wissenscheck

Lernziele — nach dieser Einheit können Sie …

  • das Funktionsprinzip der Evolventenverzahnung und ihre Vorteile erklären;
  • den Eingriffswinkel (Standard 20°) benennen und seine Bedeutung für Tragfähigkeit und Lagerkräfte einordnen;
  • Teilkreis und Wälzkreis unterscheiden und erklären, wann Profilverschiebung nötig wird.

Was eine Evolvente ist

Fast jedes moderne Zahnrad trägt eine Evolventenverzahnung. Die Evolvente eines Kreises ist die Kurve, die entsteht, wenn man einen gespannten Faden vom Grundkreis abwickelt und den Endpunkt des Fadens verfolgt. Jede Zahnflanke folgt genau dieser Kurve.

Daraus folgt das Grundgesetz der Verzahnung: Die gemeinsame Normale im Berührpunkt zweier im Eingriff stehender Zahnflanken muss stets durch den Wälzpunkt auf der Verbindungslinie der Radmittelpunkte gehen. Bei der Evolvente ist diese Normale die gemeinsame Tangente an beide Grundkreise. Deshalb bleibt die Übersetzung konstant – selbst wenn sich der Achsabstand durch Montagetoleranzen geringfügig ändert (dann verschieben sich lediglich Wälzpunkt und Betriebseingriffswinkel).

Genau diese Toleranzunempfindlichkeit, zusammen mit der wirtschaftlichen Fertigung im Wälzfräs- und Wälzstoßverfahren (ein Werkzeugmodul deckt alle Zähnezahlen desselben Moduls ab), macht die Evolventenverzahnung nach DIN 3960/DIN 867 zum Standard im Maschinenbau.

Abbildung 4.2-1: Evolventenkurve am Grundkreis. Schematische Darstellung, nicht maßstäblich. Quelle: Rechenweg dieser Lerneinheit
Beschreibung und Werte der Abbildung

Der Grundkreis hat den Radius r_b=40 mm. Die Evolvente entsteht, wenn man eine gespannte Schnur vom Grundkreis abwickelt: ihr Endpunkt zeichnet die Kurve x(θ)=r_b·(cos θ + θ·sin θ), y(θ)=r_b·(sin θ − θ·cos θ). Mit zunehmendem Abwickelwinkel θ entfernt sich die Kurve immer schneller vom Grundkreis. Der gestrichelt eingezeichnete Wälzkreis mit r≈42,57 mm markiert den Radius, an dem der Eingriffswinkel α=20° gemessen wird.

Stützpunkte der Evolventenkurve (r_b = 40 mm)
θ (rad) x (mm) y (mm)
0,040,000,00
0,140,200,01
0,240,790,11
0,341,760,36
0,443,070,84
0,544,691,63
0,646,562,78

Der Eingriffswinkel α

Der Eingriffswinkel α ist der Winkel zwischen der Eingriffslinie (der Kraftwirkungslinie zwischen den kämmenden Zahnflanken) und der Tangente an den Wälzkreis im Wälzpunkt. Er ist bei Evolventenverzahnung zugleich der Flankenwinkel des Werkzeug-Bezugsprofils.

Eingriffswinkel, Tragfähigkeit und Lagerkraft im Vergleich
Eingriffswinkel Tragfähigkeit Lagerkraft Typischer Einsatz
14,5°geringniedrigältere Normen, Feinwerktechnik
20° (Standard)mittelmittelallgemeiner Maschinenbau (DIN 867)
25°hochhöherHochleistungsgetriebe, kleine Zähnezahlen

20° ist deshalb Standard, weil er ausreichende Zahnfußdicke, moderate Radialkraft auf die Lager und gute Fertigungseigenschaften vereint. Ein größerer Winkel steigert die Tragfähigkeit und senkt die Unterschnittgrenze – erzeugt aber höhere Lagerkräfte.

Teilkreis und Wälzkreis: zwei verschiedene Dinge

Der Teilkreis (d = m·z) ist eine feste Eigenschaft des einzelnen Zahnrads – er ändert sich nicht. Der Wälzkreis dagegen ist eine paarungsabhängige Größe: Er entsteht erst im Zusammenspiel zweier Räder, dort, wo die Umfangsgeschwindigkeiten beider Räder gleich sind (der Wälzpunkt).

Bei Standardverzahnung mit normgerechtem Achsabstand fallen Teilkreis und Wälzkreis zusammen. Wird der Achsabstand vergrößert oder eine Profilverschiebung eingesetzt, wandert der Wälzkreis nach außen, und der Betriebseingriffswinkel weicht vom Bezugswert 20° ab.

Profilverschiebung: Unterschnitt vermeiden

Unterhalb einer Zähnezahl von z ≈ 17 (bei 20° Eingriffswinkel) entsteht Unterschnitt: Das Werkzeug-Bezugsprofil schneidet beim Wälzfräsen Material am Zahnfuß weg, weil es die Evolvente dort unterschreitet. Das schwächt den Zahn und verringert die Überdeckung.

Abhilfe schafft eine positive Profilverschiebung x·m: Das Werkzeug-Bezugsprofil wird radial nach außen verschoben, wodurch es die Evolvente nicht mehr unterschneidet. Als Richtwert für die nötige Mindest-Profilverschiebung gilt:

x_min ≈ (17 − z) / 17

x_min = Mindest-Profilverschiebungsfaktor · z = tatsächliche Zähnezahl (bei 20° Eingriffswinkel)

Merksatz

Der Teilkreis ist eine feste Eigenschaft des Einzelrads, der Wälzkreis entsteht erst in der Paarung. Unterhalb von z ≈ 17 (20° Eingriffswinkel) droht Unterschnitt – Abhilfe: mehr Zähne oder positive Profilverschiebung.

Rechenbeispiel

Gegeben

Ein kleines Ritzel mit Modul m = 2 mm soll aus Bauraumgründen nur z = 14 Zähne haben – unterhalb der Grenzzähnezahl 17 bei 20° Eingriffswinkel.

Berechnung

  • Mindest-Profilverschiebung: x_min ≈ (17 − 14) / 17 = 3 / 17 ≈ 0,18
  • Absolute Verschiebung: x_min · m ≈ 0,18 · 2 mm ≈ 0,35 mm

Mit dieser positiven Profilverschiebung von rund 0,35 mm bleibt der Zahnfuß auch bei nur 14 Zähnen frei von Unterschnitt – die endgültige Auslegung erfolgt nach DIN 3960.

Wissenscheck

Beantworten Sie alle drei Fragen und klicken Sie dann auf „Prüfen". Ab 2 von 3 richtigen Antworten gilt die Einheit als abgeschlossen. Wiederholen ist jederzeit möglich.

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Frage 1 von 3: Welcher Eingriffswinkel ist nach DIN 867/3960 der Standardwert für Evolventenverzahnungen?
Erklärung

20° ist der Kompromiss aus Zahnfestigkeit, Überdeckung und Lagerkräften und der universelle Standard im Maschinenbau. 14,5° (ältere Norm) und 25° (Hochlastgetriebe) sind seltener.

Quelle: Verzahnungstechnik: Grundbegriffe →
Frage 2 von 3: Was unterscheidet den Wälzkreis vom Teilkreis?
Erklärung

Der Teilkreis (d = m·z) ist eine feste geometrische Eigenschaft des einzelnen Zahnrads. Der Wälzkreis entsteht erst im Zusammenspiel zweier Räder und fällt bei Standardachsabstand mit dem Teilkreis zusammen – bei Profilverschiebung weicht er davon ab.

Quelle: Glossar: Wälzkreis →
Frage 3 von 3: Ab welcher Zähnezahl droht bei 20° Eingriffswinkel Unterschnitt (Werte darunter sind kritisch)? Nennen Sie die Grenzzähnezahl.
Erklärung

Die theoretische Grenzzähnezahl liegt bei 20° Eingriffswinkel bei z_min = 17. Ein größerer Eingriffswinkel von 25° senkt sie auf etwa z_min ≈ 12.

Quelle: Glossar: Unterschnitt →

Bitte alle drei Fragen beantworten, um „Prüfen" zu aktivieren.

Vertiefung (optional)

Ratgeber: Verzahnungstechnik – Grundbegriffe (öffnet in neuem Tab) Interaktive Evolventen-Animation (Zahneingriff) (öffnet in neuem Tab) Glossar: Profilverschiebung (öffnet in neuem Tab)

Lernzweck: Rechenwege und Zahlen sind vereinfachte Lehrbeispiele. Für eine reale Anlage gelten die Angaben des Herstellers, die einschlägigen Normen und die Prüfung durch eine fachkundige Person.

Curriculum v0.1 (Beta) · Stand 17.09.2026 · Inhalte sorgfältig erstellt und geprüft – finale Abnahme folgt

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